Das Château de Hautefort

Eine Schloss mit turbulenter Geschichte

Wer so durch das Grenzgebiet von Périgord Blanc und Périgord Vert fährt und das Glück hat, auf einer ganz bestimmten Straße an einem ganz bestimmten Punkt vorbeizukommen, dem eröffnet sich ganz plötzlich ein imposantes Bild: Hoch auf einem Plateau oberhalb eines Dorfes thront eine mächtige Burganlage. Oder ist es ein Schloss? Wer das sieht, muss der Sache auf den Grund gehen. Auf den Grund schon deswegen, weil das zugrunde liegende Dorf eines ist, das man sich genau so vorstellt, als eines, das von einer Burg und seinen Herren dominiert wird. Man schaut nach oben und wird vom Ausdruck der Macht einer auf Felsen hochgezogenen Burgmauer beeindruckt.

Das pittoreske Örtchen Hautefort war bereits zur Zeit der alten Römer besiedelt worden. Im neunten Jahrhundert stand anstelle des Schlosses eine Burg, die einer der mächtigen Vize-Grafen (Vicomte) von Limoges hatte erbauen lassen. Im Jahr 1030 wurde die Familie de Lastours Eigentümer, nachdem im Auftrag des Grafen (Comte) von Périgord, vermutlich Elias II., der Vize-Graf Adémar I. in einer Schlacht geschlagen worden war. Im Jahr 1046 ging die Burg mangels männlichem Erben an die einzige Tochter über, deren Ehemann den Namen „de Lastours“ annahm.

Englische Interessen

Der Vorplatz mit Eingang

Der Vorplatz mit Eingang

Nach rund einem Jahrhundert relativ friedlichen Daseins fehlte es wieder einmal an einem männlichen Erben. Eine einzelne Tochter brachte die Burg als Mitgift in ihre Ehe, damit in den Besitz von Constantine de Born ein. Wie das in den besten Familien vorkommt, kam es zum Streit zwischen Constantine de Born und dessen Bruder Bertran de Born. Diese hatten sich jeweils den verfeindeten Lagern des Prinzen Heinrich der Jüngere von England, des zweiten Sohns Heinrich II. von England, und Richard Löwenherz angeschlossen, Bertran auf Seiten Heinrichs, Constantine auf Seiten Richards. Im Jahr 1182 gelang es Bertran, seinen Bruder von der Burg zu vertreiben, doch nach dem Tod Heinrich des Jüngeren im Jahr 1183 wurde Bertran von Richard Löwenherz besiegt. Die Burg wurde zerstört und Bertran gefangen genommen.

Vize-Graf und Troubadour

Der Eingang war als die einzige damals angreifbare Stelle gut zu verteidigen

Heinrich II. schließlich schenkte Bertran de Born die Freiheit und gab ihm das, was von seiner Burg übrig geblieben war, zurück. Der begann 1184, die Burg wieder aufzubauen. Nicht ganz nebenbei hatte sich Bertran de Born zu einem der bekanntesten Troubadoure des zwölften Jahrhunderts gemausert. Im Kampf gegen den französischen König Philipp II. schloss er sich dieses Mal Richard Löwenherz an, der ab 1189 als Richard I. England regierte.

Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau verließ Bertran de Born 1196 Hautefort und ging als Mönch in die Zisterzienser-Abtei von Dalon. Sein Sohn übernahm die Burg. Die Burganlage bestand damals aus einem Donjon, einem Wohn- und Wehrturm und mehreren kleinen Türmen, die mit Kurtinen, einer Art geradem Wall oder gerader Mauer zwischen zwei Türmen und Wehrgängen verbunden waren. Nach dem Tod der männlichen Erben ging die Burg 1237 durch Heirat an Aymar de Faye über. Dieser übernahm den Namen de Born und den Titel eines Vize-Grafen von Hauteford. In den Wirren des hundertjährigen Krieges gab es noch einige Besitzerwechsel.

Ein interessanter Stilmix entsteht
Die heutige Schlossanlage entspricht in etwa den mittelalterlichen Abmessungen des zwölften Jahrhunderts, wie an Mauerresten erkannt werden kann. Der Bergfried befand sich an der Stelle des Haupttraktes. Von der mittelalterlichen Bausubstanz ist nichts mehr erhalten. Die ab dem fünfzehnten Jahrhundert erbauten Türme – Palmenturm, Bretagne-Turm (Tour de Bretagne), Langer Turm und Gefängnisturm – bildeten durch Mauern verbunden eine strenge symmetrische Anordnung, die für die Zeit nicht üblich war.

Erinnert an Versailles

Erinnert an Versailles

Ende des 16. Jahrhundert wurde die Burganlage verändert und befestigt. Es ist nicht auszuschließen, dass die Renaissance bereits zu dieser Zeit im Schloss Einzug hielt. Im Jahr 1633 beauftragte François de Hautefort den aus Périgueux stammenden Architekten Nicolas Rambourg mit dem Umbau. Nach dessen Tod 1649 stockten die Arbeiten zwanzig Jahre lang. Erst ab 1669 wurden, federführend vom Pariser Architekten Jean Maigret aus Paris, die Umbaumaßnahmen wieder aufgenommen. Jetzt veränderte sich der Bau grundlegend. Das Schloss erhielt einen Grundriss im Stil des klassizistischen Barock. Es entstand eine symmetrische Dreiflügelanlage. Die Gartenanlagen erinnern an Versailles. Der Symmetrie geschuldet wurde der Südturm erbaut. Heute befindet sich dort die Kapelle. Im Jahr 1695 waren die Arbeiten abgeschlossen. Aus einer Wehranlage war im Laufe des siebzehnten Jahrhunderts eines der wichtigsten Schlösser des Périgord entstanden, in welchem sich der Stilmix aus Renaissance und Barock wunderbar ablesen lässt.

Wir danken Mme Maitrepierre von der Verwaltung des Château de Hautefort für die Genehmigung, zu fotografieren und zu veröffentlichen

2017-10-14T16:52:36+00:00 14 Oktober 2017|