Im Süden der Bretagne

Auf den Spuren von

Es wäre frech gelogen, zu behaupten, die Kriminalromane von Jean-Luc Bannalec hätten nichts damit zu tun gehabt, den Süden der Bretagne zu inspizieren. Ich will mich hier auch nicht über den Autor und dessen Pseudonym auslassen, jedoch betonen, wie sehr diese Bücher dazu beigetragen haben, interessante Gegenden zu finden und auf ebenso interessante Menschen zu treffen. Der vorliegende Bericht ist die Fortsetzung von Bretagne – eine Reise in die Vergangenheit. Das heißt, wir sind direkt von St.-Pol-de-Léon nach St.-Gildas-de-Rhuys gefahren in der Annahme, von hieraus auf kurzen Wegen die Orte, die Bannalec beschrieben hatte, besuchen zu können. Die kurzen Wege sollten sich jedoch als großer Irrtum erweisen.

Der Hauptgrund liegt darin begründet, dass es von St.-Gildas aus keine Möglichkeit gibt, nein, geben kann, eine Autofähre über den schmalen Meereszugang nach Locmariaquer zu nutzen. Daher
mussten wir, um romanrelevante Orte wie Quimper, Concarneau, Pont Aven oder Port de Bélon zu erreichen, immer den Golf von Morbihan umfahren. Hinzu gesellte sich der gefühlstechnische Aspekt, dass die Umstände in Roscoff und St.-Pol-de-Léon dermaßen perfekt waren, dass es der Süden schwer haben würde, dagegen anzukommen. Ich will jedoch nicht länger lamentieren und mit der Abfahrt in St.-Pol beginnen.

Siebzehnter Tag, 03. Oktober 2015

Wir stehen früh auf. Das Reisefieber hat uns am Wickel. Unsere beiden Nachbarn sind ebenfalls im Aufbruch. Die einen müssen nach Lille zurück, die anderen nach Lyon, in beiden Fällen der Arbeit wegen. Als ich auf den Vorplatz komme, um das Beladen unserer beider Autos vorzubereiten, erstarre ich in Bewunderung: Die Familie aus Lyon ist in ihrem kleinen Renault zu fünft angereist, was ich bis dato gar nicht realisiert habe. Vater, Mutter, Tochter und zwei Großeltern gilt es zu transportieren. Mit dem Einräumen des Gepäcks in den Kofferraum vollbringt die Familie ein logistisches Wunder.

Der kleinste Zwischenraum wird genutzt

Der kleinste Zwischenraum wird genutzt

Die Wohnungsübergabe findet um 09 Uhr 30 statt. Es ist alles in Ordnung. Wir treffen uns anschließend in einem Café in St.-Pol, um ein abschließendes Croissant-Café-au-Lait-Frühstück einzunehmen.

Im Café gegenüber der Kathedrale das Abschiedsfrühstück

Im Café gegenüber der Kathedrale das Abschiedsfrühstück

Dann machen wir uns auf den Weg. Silvia und Albert fahren getrennt von uns in Richtung Saint Gildas. Die Fahrt verläuft angenehm. Unterwegs machen wir eine kleine Pause in einer Stadt namens Le Faouët, die bereits im äußersten Norden des Départements Morbihan gelegen ist. Dort gibt es eine dieser altertümlichen Markthallen, deren Fundamente sowie deren untere Teile zuzüglich der tragenden Säulen aus Stein gebaut sind. Der Rest bis zum Dachgiebel besteht aus Holz.

Die Markthalle in Le Faouët

Die Markthalle in Le Faouët

Heute ist kein Markttag. Stattdessen wird eine Kirmes vorbereitet. Wir lassen Goya ein wenig Auslauf und setzen uns dann in eine hübsche Bar, die Central Bar Chez Denise.

Die Central Bar "Chez Denise"

Die Central Bar „Chez Denise“

Sie ist genau so, wie man sich als Nicht-Franzose eine französische Bar vorstellt. Und die Unisex-Toilette, bekanntermaßen in Frankreich weit verbreitet, ist ein Ereignis: Marilyn Monroe schaut zu!

Huch, Marilyn auf dem Klo!

Huch, Marilyn auf dem Klo!

Gegen vierzehn Uhr kommen wir bei unserem Ferienhaus in Saint Gildas an. Unterwegs hatten wir uns wie aufgetragen telefonisch mit der Verwalterin, Madame L. in Verbindung gesetzt, um den Code für den Schlüsseltresor des Hauses in Erfahrung zu bringen. Wie so oft haben wir tolles Wetter – der Norweger hat doch meistens Recht. Hier spiele ich auf den norwegischen Wetterdienst „www.yr.no“ an, der auch dann, wenn er daneben liegt, grundsätzlich Recht hat.

Eigentlich ein schönes Ferienhaus

Eigentlich ein schönes Ferienhaus

Alles ganz anders als im Norden

Nach unserer Ankunft geht es auch schon los mit den Problemen. Das erste: Im Haus und auch in unmittelbarer Nähe gibt es keine Netzabdeckung fürs Handy. Dabei sollten wir uns doch nach unserer Ankunft wegen der Übergabe und den damit verbundenen Informationen telefonisch bei der Verwalterin melden. Zwischenzeitlich treffen Silvia und Albert ein. Ich entferne mich zu Fuß vom Ferienhaus unter unablässiger Beobachtung des Handy-Displays. Und da, etwa einhundert Meter weit entfernt zeigt sich zögerlich ein Bälkchen. Kurze Zeit später trifft die Verwalterin ein, die in Kenntnis dieses Problems gar nicht erst versucht hat, anzurufen. Oui, das mit dem ‚mobile‘ sei nun mal so. Und oui, wegen der kurz zuvor anwesenden Handwerker gebe es auch keinen zweiten Schlüssel. Und oui, die Waschmaschine, die sei kaputt und noch nicht erneuert. Wenn wir glaubten, unbedingt waschen zu
müssen, so sollten wir einen Waschsalon in Vannes aufsuchen und die Rechnung sozusagen bei ihr einreichen.

Im Laufe des Nachmittags stellen wir fest, dass das noch nicht alles ist. Der Kühlschrank kommt nur zögerlich auf Touren. Die Lampe darin funktioniert überhaupt nicht, so dass wir zuerst den Verdacht hegen, er sei völlig kaputt. Im Schlafzimmer im Erdgeschoss ist so wenig Platz, dass neben das Bett nur ein winziges Nachtschränkchen passt. In einer Nachttischlampe im Schlafzimmer im Obergeschoss und in einer Wandlampe im Wohnzimmer fehlen jeweils eine Birne, im Falle des Wohnzimmers gibt es noch nicht einmal eine Birnenfassung. Das Besteck ist dermaßen schmuddelig, dass wir es vor Erstbenutzung komplett abwaschen. Ebenso präsentieren sich die Kochtöpfe. Und das bei einem deutschen Eigentümer und Vermieter – so viel zu Vorurteilen. Kurzum, wir sind deprimiert. Verschlimmert wird dieser seelische Zustand nach einem Imbiss während unseres kurzen ersten Erkundungsspazierganges zum Meer. Wir müssen feststellen, dass uns bei Ebbe ein bestialischer Gestank einnebelt.

Roter, stinkender Tang, vor allem wenn die Sonne draufscheint

Roter, stinkender Tang, vor allem wenn die Sonne draufscheint

Selbst wenn wir es wollten, wäre an ein Bad im Meer nicht zu denken. Der Gestank kommt je nach Windrichtung mehr oder weniger bis zu unserem Haus.

Algenplage in der Bretagne

Erst später kann ich in Erfahrung bringen, dass die Algenteppiche, grün oder rot, in der gesamten Bretagne ein großes Problem darstellen. Die damit verbundenen Ausdünstungen von Schwefelwasserstoff können gar lebensbedrohlich sein – für Mensch und Tier. Hauptverantwortlich für die Algenpest sei nach Untersuchungsergebnissen verschiedener wissenschaftlicher Institute die Landwirtschaft, die sich zu wenig um die Einleitung von Düngemitteln in das Meer kümmere.

Schließlich fahren Petra, Silvia und, leider, ich noch einkaufen. Die beiden Damen lassen mich vor dem Super U eine geschlagene Stunde lang warten, was deshalb besonders ärgerlich ist, weil zum wiederholten Male die Leine für den Hund nicht ins Auto zurückgelegt wurde. So kann ich mit Goya in der Zwischenzeit nichts unternehmen und wir beide sind zum untätigen Warten verdammt. Hinterher ist Petra auf mich sauer, weil ich sauer bin – das soll einer verstehen. Zum Abendessen gibt es eigenhändig gepulte Krabben sowie Thunfisch, gebraten für Albert und Silvia, roh für Petra und mich.

Achtzehnter Tag, 04. Oktober 2015

Der erste Tag in wird von trübem Wetter eingeleitet. Ich suche nach Örtlichkeiten für Goya, unsere gemeinsamen Spaziergänge zur beiderseitigen Zufriedenheit absolvieren zu können.

Eines der Ferienhäuser an der schmalen Zufahrt gelegen

Eines der Ferienhäuser an der schmalen Zufahrt gelegen

Wir haben zwei Möglichkeiten, ans Meer zu gelangen, einmal über eine schmale Zufahrtsstraße zu einzelnen Ferienhäusern, zum anderen über die Zufahrtsstraße zum Jachthafen von St.-Gildas – na ja, Hafen ist etwas übertrieben, „Häfchen“ passte besser.

Blick auf den Jachthafen von St. Gildas. Mit den kleinen Booten im Vordergrund gelangen die Skipper zu ihren Booten

Blick auf den Jachthafen von St. Gildas. Mit den kleinen Booten im Vordergrund gelangen die Skipper zu ihren Jachten

In St.-Gildas ist an diesem Tag Markt. Als wir dort eintreffen, regnet es. Wie immer hat der norwegische Wetterdienst recht – auf die Minute. Direkt am Marktplatz liegt die Kirche der Benediktiner-Abtei.

Puppenangebot auf dem Markt

Puppenangebot auf dem Markt

Nach einem Rundgang über den Markt kehren wir in das Café am Platze ein, trinken dort Milchkaffee und essen Croissants. Das Café und die Menschen sind sehr nett und haben uns in unseren vorgefassten Meinungen etwas versöhnt.

Im Café. Die Kälte springt förmlich aus dem Bild

Im Café. Die Kälte springt förmlich aus dem Bild

Keine Fähre – weite Strecken

Nach unserer Rückkehr in das Ferienhaus beschließen wir, nach Arzon beziehungsweise Port Navalo zu fahren, um herauszufinden, ob der Zugang zum Golf von Morbihan mit einer Autofähre überquert werden kann. Wir müssen feststellen, dass es keine Autofähre gibt.

Parkstreifen für Reisebusse in Port Navalo kurz vor dem Ende der Straße

Parkstreifen für Reisebusse in Port Navalo kurz vor dem Ende der Straße

Und das ist in Anbetracht der Enge des Städtchens nicht verwunderlich. Wir können uns die kilometerlangen Autoschlangen in der Hauptsaison lebhaft vorstellen, die sämtliche Sträßchen und Wege verstopfen würden. Also gibt lediglich eine Personenfähre, die allerdings nur bis Ende August in Betrieb ist. Danach wird auch dieser eingestellt, so dass unsere geniale Idee, zum Zwecke der erheblichen Verkürzung der Fahrstrecke in Richtung Quiberon, Concarneau, Port-de-Bélon, Pont Aven oder Quimper, allesamt geplante Ausflugsziele, das eine unserer Autos auf der anderen Seite in Locmariaquer stehen zu lassen und nach Überquerung des Golfzugangs mittels Personenfähre einfach dieses zu benutzen, zur Makulatur verkommt.

Es ist deutlich die ankommende Flut im Durchgang vom Altlantik (links) in den Golf von Morbihan (rechts) zu sehen

Es ist deutlich die ankommende Flut im Durchgang vom Atlantik (links) in den Golf von Morbihan (rechts) zu sehen

Ein Segelboot kämpft sich durch

Ein Segelboot kämpft sich durch

Wir suchen schließlich nach einer Stelle, wo wir spazieren gehen können. Eine solche finden wir schnell und gehen etwa eine Stunde lang am Wasser entlang. Es nieselt, aber weder sind wir dumm, noch haben wir schlechte Kleidung. Es ist trotz Nieselregens schön.

Petra zweckmäßig gekleidet

Petra zweckmäßig gekleidet

Nach der Rückkehr in unser Ferienhaus wird erst einmal zu Abend gegessen. Anschließend spielen wir, na was wohl, richtig, Doppelkopf. Diesen Spieleabend vergesse ich am besten so schnell wie möglich.

Neunzehnter Tag, 05. Oktober 2015

Am Morgen des neunzehnten Tages sehen wir uns die Landkarte etwas genauer an und beschließen, in die Hauptstadt des Départments Morbihan, nach Vannes, zu fahren. Sie liegt etwa zwanzig Kilometer entfernt von uns am anderen Ende des Golfes gegenüber dem Meereszugang. Wir wollen uns zwar die Stadt ansehen, sind aber grundsätzlich auf der Jagd nach einer Speicherkarte
mit mehr Kapazität für eine unserer Kameras sowie nach wandertauglichen Schuhen für Petra. Irgendwo am Stadtrand von Vannes entdecken wir einen Elektronikmarkt namens FNAC, wo wir das gewünschte Speichermedium erstehen können. Bereits auf dem Weg in die Innenstadt überfällt sowohl Petra wie Albert ein menschliches Bedürfnis. In noch völliger Unkenntnis der Parkmöglichkeiten und in Anbetracht des unerwartet hohen Verkehrsaufkommens nutzen wir die erstbeste Parkmöglichkeit im Hafen von Vannes und werden toilettentechnisch unerwartet schnell fündig.

Na ja, besser als gar keine...

Na ja, besser als gar keine…

Der Zugang zur Innenstadt von Vannes durch das Tor am Hafen

Der Zugang zur Innenstadt von Vannes durch das Tor am Hafen

Das Städtchen entpuppt sich als ausgesprochen hübsch. Allerdings zeigt sich das Wetter kalt, windig und feucht. Etwa hundert Meter hinter dem Stadttor befindet sich ein Schuhgeschäft, in welchem Petra ein Paar Wanderschuhe von Aigle – sehr leicht, wasserdicht und ungeheuer bequem – erstehen kann. Sie animiert mich, es ihr gleich zu tun. Ich bin dafür bis heute dankbar. Anschließend schlendern wir durch die Gassen von Vannes.

 

Eine nette kleine Galetterie in einem Seitengässchen

Eine nette kleine Galetterie in einem Seitengässchen

Teil oder nicht Teil eines altertümlichen Hauses, das ist hier die Frage, direkt neben der modernen Markthalle

Teil oder nicht Teil eines altertümlichen Hauses, das ist hier die Frage, direkt neben der modernen Markthalle

Als kleine Büsten an der Ecke unter der ersten Etage hängend sollen sich Frau und Herr Vannes befinden

Als kleine Büsten an der Ecke unter der ersten Etage hängend befinden sich Frau und Herr Vannes

Foto: Silvia Görtz. An der Ecke zwischen Rue Rogue und Rue Noé wird man von zwei freundlichen Gestalten begrüßt. Sie stellen die steinerne Verkörperung des Herrn und der Dame dieses Hauses aus dem 16. Jahrhundert dar und sind zu Maskottchen der Bewohner von Vannes geworden.

An der Ecke zwischen Rue Rogue und Rue Noé wird man von zwei freundlichen Gestalten begrüßt. Sie stellen die steinerne Verkörperung des Herrn und der Dame dieses Hauses aus dem 16. Jahrhundert dar und sind zu Maskottchen der Bewohner von Vannes geworden. Foto und Text: Silvia Görtz

Die Stadt ist zu diesem Zeitpunkt menschenleer

Die Stadt ist zu diesem Zeitpunkt menschenleer

Hier ist Heinz Rühmann alias Quax, der Bruchpilot verewigt

Hier ist Heinz Rühmann alias Quax, der Bruchpilot verewigt

Diese Büchsen wecken Begehrlichkeiten

Diese Büchsen wecken Begehrlichkeiten

Und schon wieder eine Kirche

Wir schlendern durch die Gässchen der Altstadt von Vannes, überqueren den langezogenen zentralen Platz und gelangen schließlich zur teilweise eingerüsteten Cathédrale Saint-Pierre, der einst auch der Titel einer Basilica Minor verliehen worden war. Sie ist mit einer Länge von über hundert Metern ein beeindruckendes Gebäude. Der Grundstein der Kathedrale war bereits zu Beginn des elften Jahrhunderts gelegt worden. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde die Kathedrale immer wieder erweitert und entwickelte sich so zu einem Gebäude unterschiedlicher Baustile, beginnend bei der Romanik über die Gotik, die Renaissance hin zur Neogotik. Für den letztgenannten Baustil stehen der Südturm und die Westfassade, die erst Mitte des achtzehnten Jahrhunderts fertiggestellt worden waren.

Die Cathédrale Saint-Pierre. Sie wurde zum Zeitpunkt unseres Besuches von außen restauriert

Die Cathédrale Saint-Pierre. Sie wurde zum Zeitpunkt unseres Besuches von außen restauriert

 

Blick auf die gewaltige Orgel

Blick auf die gewaltige Orgel

Im Hauptschiff Blick auf den Altar

Im Hauptschiff Blick auf den Altar

Wie in vielen der bretonischen Kirchen keine Bänke, sondern Stühle. Im Zweifel können mehr Menschen untergebracht werden

Wie in vielen der bretonischen Kirchen gibt es keine Bänke, sondern Stühle. Im Zweifel können mehr Menschen untergebracht werden

Der Altar von Saint-Pierre

Der Altar von Saint-Pierre

Wir nehmen uns vor, Vannes bei deutlich einladenderem Wetter zu besichtigen. Immer wieder wandern unsere Gedanken wehmütig zurück nach Roscoff und St.-Pol de Léon. Wir müssen uns anstrengen, die Gemüter für das Hier und Jetzt zu erwärmen, was derzeit einzig Albert zu gelingen scheint.

Richtig gute Galettes und ein anständiges Bier

Richtig gute Galettes und ein anständiges Bier

Kein anständiger Wein

Angesichts einer einladenden Crèperie bessert sich unsere Laune schlagartig. Das Essen ist gut. Auf der Rückfahrt allerdings müssen wir feststellen, dass der einzige Weinhändler, den wir noch
vor unserer Abfahrt nach Vannes in der unmittelbaren Umgebung um Saint-Gildas ermitteln konnten – er ist in Arzon ansässig – geschlossen hat. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als mit der kläglichen Auswahl des „SPAR“ in Saint-Gildas vorlieb zu nehmen, wo wir ein paar Flaschen Wein erstehen.

Rote Küstenlandschaft

Rote Küstenlandschaft

Nach unserer Rückkehr machen wir mit Goya einen Spaziergang entlang des Meeres. Das Wetter klart auf und der Sonnenuntergang taucht die Landschaft in einen Farbtopf.

Goya über dem Meer

Goya über dem Meer

Spät in der Nacht sind sämtliche Wolken wie weggeblasen. Auf dem Hundespaziergang können wir uns am Sternenhimmel gar nicht sattsehen. Sogar die Milchstraße ist deutlich auszumachen. Übrigens: Doppelkopf habe ich wieder haushoch verloren.

Zwanzigster Tag, 06. Oktober 2015

Trotz einer Hoffnung weckenden wolkenlosen Nacht präsentiert sich das Wetter tagsüber auch heute von seiner launischen Seite. Wir denken nach: Carnac ist nicht so weit. Und ganz in der Nähe sollen sich die berühmten „Alignements“, die Felder aufgereihter Menhire befinden, dem Vernehmen nach mehr als dreitausend. Wir fahren also um den Golf von Morbihan herum. Auf dem Weg nach Carnac befinden wir uns unvermittelt auf einer Straße, die parallel zu den Alignements verläuft. An einen großen Parkplatz war von Seiten der Kommune gedacht worden, so dass wir das Auto abstellen können. Allerdings ist es hier lediglich möglich, in einem touristischen Informationszentrum Informationsmaterialien und Souvenirs zu erstehen. Es ist nicht möglich, zu den in Sichtweite stehenden Steinen zu gelangen. Das Gelände ist abgesperrt. Erst rund zwei Kilometer zurückliegend befindet sich ein kleinerer Parkplatz, von dem aus wir endlich einen Zugang auf das Gelände finden. Dieses ist menschenleer. Wir lassen uns in die Steinzeit zurückversetzen.

Schier endlose Steinreihen

Schier endlose Steinreihen

Nur ein winziger Ausschnitt der Alignements

Nur ein winziger Ausschnitt der Alignements

Hier rund vier Meter hoch, nicht zufällig stehend

Hier rund vier Meter hoch, nicht zufällig stehend

Das Familienfoto

Das Familienfoto

Goya muss in Vorbereitung des "Familienfotos" natürlich überall mit rauf

Goya muss in Vorbereitung des „Familienfotos“ natürlich überall mit rauf

Der Spaziergang zwischen den teilweise weit über mannshohen Steinen, relativ ordentlich in Reih‘ und Glied stehend, lässt tiefe archaische Gefühle aufkommen.

Nach ausgiebiger Erkundung des Geländes lassen wir die Alignements hinter uns, fahren auf das Geratewohl weiter in Richtung Meer und landen in einem riesigen Jachthafen, in La Trinité-sur-Mer. (Nach unserem Aufbruch können wir von der Pont de Kérisper einen Blickvon oben auf den Hafen werfen, was uns einen realistischen Eindruck von den Ausmaßen des Hafens verschafft)

Wir schauen uns um und entdecken an einem Kai Renn-Trimarane. Die Skipper und ihre Mannschaften scheinen in eingeweihten Kreisen einen gewissen Bekanntheitsgrad zu genießen. In diesem Zusammenhang können wir erfahren, dass La Trinité-sur-Mer als ein wichtiger Ausgangspunkt für Atlantiküberquerungen gilt. Die Aktivitäten an Bord der Boote jedenfalls lassen auf die Vorbereitung einer solchen schließen. Leider treibt uns zwar nicht unerwarteter, jedoch sehr plötzlich einsetzender, heftiger Regen in eine Bar, in welcher wir mit einer hervorragenden Crèpe entschädigt werden.

Renn-Trimarane entdeckt

Renn-Trimarane entdeckt

Die "Mirabaud / Spindrift2" von Yann Guichard

Die „Mirabaud / Spindrift2“ von Yann Guichard

Das Info-Tableau der "Mirabaud / Spindrift2"

Das Info-Tableau der „Mirabaud / Spindrift2“

Die "Actual" von Yves Le Blevec

Die „Actual“ von Yves Le Blevec

Das Info-Display der "Actual"

Das Info-Display der „Actual“

 

Blick von der Pont de Kérisper auf den Jachthafen von La Trinité-sur-Mer

Blick von der Pont de Kérisper auf den Jachthafen von La Trinité-sur-Mer

Ein ganz besonderer

Nachdem wir Goya am Strand von Carnac ein Badevergnügen bei ständig wechselnden Wind- und Regenverhältnissen bereitet haben, fahren wir weiter nach Locmariaquer. Dort soll mit einer Länge von insgesamt zwanzigeinhalb Metern, aufgerichtet vermutlich rund achtzehneinhalb Metern, in vier Teile zerbrochen der längste bislang gefundene Menhir der Welt, der „Grand Menhir“ herumliegen. Auf dem Gelände befinden sich zudem zwei Grabstätten, von denen eine sich zwar nicht mehr vollständig im Originalzustand befindet, jedoch möglichst stilecht restauriert wurde, so dass die Grabkammer begehbar ist. Albert hat erst einmal die Nase voll und bleibt im Auto zurück, während sich Petra, Silvia und ich wieder einmal in die Steinzeit begeben. Das Wissen um den wartenden Albert jedoch lässt uns das Gelände im Eiltempo erkunden.

Le Grand Menhir in seinen vier Teilen

Le Grand Menhir in seinen vier Teilen

Le Grand Menhir von seiner Fuß-Seite betrachtet

Le Grand Menhir von seiner Fuß-Seite betrachtet

Le Grand Menhir von der Spitze her gesehen

Le Grand Menhir von der Spitze her gesehen

Ein Grabhügel mit dem großen Monolithen aus Granit als Abschluss beziehungsweise Dach

Ein Grabhügel mit dem großen Monolithen aus Granit als Abschluss beziehungsweise Dach

Der Grabhügel mit seinem als Machtdemonstration gedachten Ausläufer

Der Grabhügel mit seinem als Machtdemonstration gedachten Ausläufer

Der Ausläufer von seinem Ende aus mit Blick auf den Grabhügel im Hintergrund

Der Ausläufer von seinem Ende aus mit Blick auf den Grabhügel im Hintergrund

Der zweite Grabhügel, der Eingang befindet sich links an der Seite, wie an der neugierigen Person leicht zu erkennen ist

Der zweite Grabhügel, der Eingang befindet sich links an der Seite, wie an der neugierigen Person leicht zu erkennen ist

Der Eingang mit dem Sturz

Der Eingang mit dem Sturz

Die Steine an der Seite wurden später zur Stabilisierung eingefügt. Man muss sich bücken

Die Steine an der Seite wurden später zur Stabilisierung eingefügt. Man muss sich bücken

Der Blick in den Grabhügel hinein. Man kann wegen der Beleuchtung deutlich die Reliefs erkennen

Der Blick in den Grabhügel hinein. Man kann dank der Beleuchtung deutlich die Reliefs erkennen

So beenden wir unsere Besichtigung zügig und kehren zurück. Wir werden mit den Worten empfangen: „Das ging aber schnell. War wohl nicht sehr interessant.“ Wir verkneifen uns eine Antwort und machen uns auf in den Super U, wo die Zutaten für das Abendessen eingekauft werden. Wie üblich spielen wir nach dem Essen Doppelkopf. Ich weiß nicht mehr, wer gewonnen hat, ich jedenfalls nicht.

Einundzwanzigster Tag, 07. Oktober 2015

Am Morgen nach dem Frühstück hat Petrus offenbar sein Pulver verschossen. Gemäß den Mitteilungen des norwegischen Wetterdienstes soll den Süden der Bretagne in den kommenden Tagen überwiegend sonniges Wetter erleuchten lassen. Heute wollen wir uns das erste Mal auf die Spuren von Kommissar Dupin begeben und eine Gegend aufsuchen, in welcher das sogenannte bretonische Gold, das Fleur de Sel geerntet wird: Die Städte Guérande (bretonisch Gwenrann) und Le Croisic (bretonisch Ar Groazig). Die Ortschaften liegen im äußersten Südosten der Bretagne im Département Loire-Atlantique.

Auf der Fahrt nach Guérande überqueren wir die Pont de la Roche Bernard, eine Brücke, die, so wie sie sich heute präsentiert, im Zeitraum zwischen 1957 und 1960 erbaut wurde, deren Pfleiler 84 Meter in den Himmel ragen und die in rund 55 Metern Höhe und auf einer Länge von gut 410 Metern (250 Meter netto) die Vilaine überquert.

Auf der Pont de la Roche Bernard

Auf der Pont de la Roche Bernard

Die Überbrückung der Vilaine an dieser Stelle hat eine ebenso wechselhafte wie abenteuerliche  Entwicklung durchgemacht, die ich daher nicht vorenthalten möchte.

Zwischen den Jahren 1835 und 1839 wurde das erste Mal eine Brücke gebaut. Die Hängebrücke besaß Zufahrtsrampen aus Stein, in welche jeweils drei Bögen eingearbeitet worden waren. Im Herbst 1852 schließlich brachte ein schwerer Sturm das ohnehin schwingungsanfällige Konstrukt zum Einsturz. Nach der Restauration an selber Stelle erlitt sie wiederum Sturmschäden. Die Anfälligkeit änderte sich im Weiteren trotz verschiedener Stabilisierungsmaßnahmen nicht. Immer wieder musste die Brücke das eine oder andere durchaus auch konstruktionsrelevante Teil Stürmen opfern. Im Jahre 1911 schließlich wurde anstelle der alten Konstruktion eine Stahlbogenbrücke gebaut, welche die Zufahrtsrampen der alten Brücke verwendete.

 

Die Stahlbogenbrücke aus dem Jahr 1911 Foto: Abbildung einer alten Postkarte aus Wikipedia

Die Stahlbogenbrücke aus dem Jahr 1911
Foto: Abbildung einer alten Postkarte aus Wikipedia

Dieses Gebilde hielt tatsächlich allen Naturgewalten schadlos stand. Dann kam der Krieg. Im Jahre 1944 bereitete die deutsche Wehrmacht die Sprengung der Brücke vor, um gegebenenfalls den Vormarsch der amerikanischen Truppen aufhalten zu können. Die Amerikaner kamen zwar nicht, aber ein Blitzschlag. Der löste am 15. August 1944 die Sprengung aus, wodurch die Brücke völlig zerstört wurde. Die heutige Brücke wurde neben den alten Zufahrten gebaut.

Neben der Pont de la Roche Bernard ist eine der Zufahrtsrampen zu den alten Brücken zu sehen

Neben der Pont de la Roche Bernard ist eine der Zufahrtsrampen zu den alten Brücken zu sehen

Blick von der Pont de la Roche Bernard auf die Vilaine und die dort ordentlich vertäuten Jachten

Blick von der Pont de la Roche Bernard auf die Vilaine und die dort ordentlich vertäuten Jachten

Bombastisches Stadttor

Wir kommen auf die Stadt Guérande zu. Sie ist eine schöne, mittelalterliche Stadt innerhalb ihrer mächtigen Stadtmauern und Stadttore.

Ein Zugang zur Altstadt von Guérande

Ein Zugang zur Altstadt von Guérande

Durch die Straßen und Gassen der Altstadt flanierend stoßen wir schließlich auf die Stiftskirche St.-Aubin.

Die Stiftskirche Saint-Aubin. Deutlich ist die Außenkanzel zu sehen

Die Stiftskirche Saint-Aubin. Deutlich ist die Außenkanzel zu sehen

Uns fällt eine nettes Kaffee auf, in welchem es neben vielen Tee-, Kakao- und Kaffeesorten allerlei Krimskrams zu kaufen gibt. Dort ruhen wir uns etwas aus, trinken Kaffee (die anderen) und weiße Schokolade (ich), bevor wir uns auf die Suche nach den Salzfeldern aufmachen.

Im Café, draußen in der warmen Sonne sitzend

Im Café, draußen in der warmen Sonne sitzend

Salz gefunden

Auf der Fahndung nach dem berühmten Salz kommen wir über Le Croisic, eine ebenfalls mittelalterliche Stadt, nach Turballe und Saillé. Mitten in den Salinen fotografierend machen wir uns ein bisschen lustig über den Hype, der mit Fleur de Sel gemacht wird, unterstrichen von einem touristisch aufgemachten, großen Gebäude, in welchem für die unterschiedlichsten Salzkonfektionen gesalzene Preise zu entrichten sind. Wir sehen uns noch etwas in den Salinen um, fantasieren über den Mordversuch an Kommissar Dupin und beschließen, zurückzufahren.

Unordentliches Salzfeld

Unordentliches Salzfeld

Ordentliches Salzfeld, gut für den Winter vorbereitet

Ordentliches Salzfeld, gut für den Winter vorbereitet

Salzfelder, so weit das Auge reicht

Salzfelder, so weit das Auge reicht

Mitten in den Salinen ein touristisches Vermarktungszentrum für Meersalz...

Mitten in den Salinen ein touristisches Vermarktungszentrum für Meersalz…

...mit gesalzenen Preisen

…mit gesalzenen Preisen

Ein erster Eindruck von „Sauvage“

Wir machen uns also auf den Nachhauseweg entlang der Küste, die sich immer zerklüfteter präsentiert und an welcher sich unvermittelt ein einsamer Menhir ins Blickfeld schiebt. Einer vor dem Steinblock angebrachten erläuternden Tafel ist zu entnehmen, dass sich über diesen etwa im Jahr 4500 vor Christus installierten Menhir noch im 19. Jahrhundert die Geistlichkeit aufregte, weil er jungen Mädchen dazu diente, die Fruchtbarkeit steigern zu wollen, indem sie um ihn herumtanzten.

Fruchtbarkeits-Menhir

Fruchtbarkeits-Menhir

Die Flut brandet an die Küste

Die Flut brandet an die Küste

Blick in die andere Richtung

Blick in die andere Richtung

Silvia und Albert als Silhouetten auf den Felsen

Silvia und Albert als Silhouetten auf den Felsen

Ein einsames Hotel

Ein einsames Hotel

Wir sind beeindruckt, gehen ein wenig spazieren und genießen den Wind, der uns um die Nase weht. Wetter und Ausblick lassen uns tief durchatmen. Schließlich jedoch treibt uns der Hunger. So begeben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant.

Da ist ein Licht

Die Küstenstraße scheint kein Ende zu nehmen. Es wird bereits dunkel. Da, endlich, kurz vor Surzur kommt uns ein Ortschild entgegen: Ambon. In einiger Entfernung tanzt ein Licht, beim Näherkommen immer heller werdend, einladend. Eine Crèperie schält sich aus der Dämmerung. Zuerst drängt sich der Eindruck auf, es handele sich nur um einen Imbiss. Hinter dem unmittelbar am Eingang gelegenen Tresen tut sich jedoch ein großer Gastraum auf, offenbar von weiblicher Hand gestaltet. Wir werden vom Wirt ausgesprochen herzlich eingeladen, uns niederzulassen. Es ist auffällig, dass der Hund bislang nirgendwo ein Problem darstellt.

Gähnende Leere im Gastraum der Crèperie. Kurze Zeit später ist das Restaurant brechend voll

Gähnende Leere im Gastraum der Crèperie. Kurze Zeit später ist das Restaurant voll besetzt

Das Essen ist vorzüglich und bewegt sich preislich absolut im Rahmen. Anschließend fahren wir nach Hause und beschließen bestens gelaunt, am kommenden Morgen besonders früh aufzustehen, um auf den angekündigten Markt nach Vannes zu fahren.

Zweiundzwanzigster Tag, 08. Oktober 2015

Wir quälen uns zu unmenschlicher Zeit aus den Betten, um den Markt in Vannes keinesfalls verpassen. Der mache nämlich schon um dreizehn Uhr dicht, heißt es. Heute parken wir auf einer Straße, die parallel zum Stadtmauergraben verläuft. Von da aus ist es möglich, an verschiedenen Stellen die Altstadt von Vannes zu betreten. Der Blick auf die Stadtmauer ist großartig.

Die Stadtmauer von Vannes

Die Stadtmauer von Vannes

Allerdings müssen wir zu unserer grenzenlosen Enttäuschung feststellen, dass der Markt erst übermorgen, also am zehnten Oktober stattfinden soll. Flexibel, wie wir sind, beschließen wir nach einem Palaver kurzerhand, das Programm zu ändern und machen uns auf den Weg auf die Halbinsel Quiberon (Presqu’île de Quiberon), vor allem um uns die berühmte Côte Sauvage anzusehen.

 

Die Insel Quiberon am Horizont. Die Wolken und das Unwetter blieben da draußen

Die Insel Quiberon am Horizont. Die Wolken und das Unwetter blieben da draußen

Belle Île gestrichen

Auf der Halbinsel angekommen, stranden wir in Saint-Pierre-Quiberon. Das Städtchen ist völlig überfüllt, diesmal nicht wegen der Touristen – die gibt es zu dieser Jahreszeit kaum -, sondern weil hier Markttag ist. Nach längerem Suchen finden wir einen günstig gelegenen Parkplatz, und der liegt sogar in unmittelbarer Nähe des Strandes. Hatten wir vorher noch damit geliebäugelt, auf die Belle Île überzusetzen, so sind wir jetzt froh, das nicht getan zu haben. Vom Strand aus, in strahlendem Sonnenschein, sind die am Horizont über der Insel tief hängenden, dunkelgrauen Regenwolken zu sehen, selbst der monsunartige Regen ist zu erkennen, welcher die Insel gerade überflutet. Zudem haben wir uns viel Geld erspart, weil die Überfahrt schon ohne PKW sehr teuer ist, von der Überfahrt mit PKW gar nicht zu reden. Es ist angenehm warm, im Schatten zeigt das Termometer dreiundzwanzig Grad Celsius. Die Damen begeben sich einmal mehr auf Muschel- und Schneckengehäusesuche, Albert und ich lassen Goya im Wasser toben. Auf dem Weg zu einer Strandbar treffen wir einen Belgier, der seinen Ruhestand hier in Saint-Pierre verbringt. Von ihm erhalten wir interessante Informationen über die Presqu’île de Quiberon.

Die Damen auf Muscheljagd

Die Damen auf Muscheljagd

Wild wachsende Agaven im mediterranen Klima

Wild wachsende Agaven im mediterranen Klima

Die Wolken bleiben als Accessoire weit hinten

Die Wolken bleiben als Accessoire weit hinten

In der Strandbar essen wir zu Mittag: Petra Austern, wir anderen Crèpes. Das Essen ist – wieder mal – ausgesprochen gut. Wir beobachten einige andere Gäste. Ein maskulin aussehender Eingeborener setzt sich vor den Eingang der Bar, telefoniert, trinkt irgendetwas und streut ein paar Kekskrümel auf den Tisch, was ein mehrere Sperlinge anlockt, die sich zu ihm auf den Tisch setzen und mitmümmeln.

Albert wirft den Holzknochen. Goya macht das salzige Wasser nichts aus

Albert wirft den Holzknochen. Goya macht das salzige Wasser nichts aus

Goya ist begeistert und liebt Albert

Goya ist begeistert und liebt Albert

Petra lässt sich die Austern schmecken

Petra lässt sich die Austern schmecken

 

Auf dem Tisch sitzend ist, wenn auch unscharf, ein Sperling zu erkennen

Auf dem Tisch sitzend ist, wenn auch unscharf, ein Sperling zu erkennen

La Côte Sauvage – ein Muss

Anschließend gehen wir noch etwas spazieren und fahren dann in Richtung der Côte Sauvage. Wir gelangen auf eine schmale Küstenstraße mit Aussichtspunkten und aufregenden
Ausblicken. Nach ausgiebiger Betrachtung der gewaltigen Wellen, die an diesen wilden Küsten meist auch bei absolut ruhigem Wetter gegen die Küstenfelsen branden, fahren wir weiter nach Portiwy, wo wir uns in ein unmittelbar am Hafen gelegenes Café begeben. Wir trinken in der prallen Sonne Kaffee, fahren anschließend in einen Super U einkaufen, tanken und kehren nach Hause zurück.

 

Eine Welle nach der anderen rollt auf die Küste zu

Eine Welle nach der anderen rollt auf die Küste zu

...und noch eine...

…und noch eine…

Die Brandung schlägt gegen die Felsen

Die Brandung schlägt gegen die Felsen

Motorengeräusch von oben: Ein Motor-Paraglider

Motorengeräusch von oben: Ein Motor-Paraglider

Ich mache mit dem Hund den vorletzten Spaziergang, Albert sitzt in der Abendsonne auf der Terrasse des Gartens und unterhält, ein Gläschen Weinchen trinkend, musikalisch die Damen, die sich um die Zubereitung des Abendessens kümmern: Austern, Crevetten und gedünsteter Lachs im Gemüsebett. Anschließend spielen wir Doppelkopf. Ich verliere wieder.

Dreiundzwanzigster Tag, 09. Oktober 2015

Am heutigen Tag steht Concarneau auf dem Plan. Wir sind nach den Beschreibungen von Bannalec in gespannter Erwartung dessen, was wir vorfinden, ob es unserer von dem Autor veranlassten Vorstellung entsprechen würde. Das Wetter ist wunderbar, sonnig und warm. Wir erreichen gegen Mittag den Bereich um die Zitadelle mit der Altstadt und können vorläufig keinen Parkplatz finden, weil – richtig – weil gerade Markttag ist. Wir müssen viel Geduld aufbringen, bis sich schließlich in einem eigentlich abgesperrten Bereich eine Möglichkeit bietet, das Auto abzustellen.

Das "Amiral"

Das „Amiral“

Zu unserer grenzenlosen Enttäuschung ist das berühmte Restaurant „Amiral“ zur Zeit unserer Ankunft bis auf den letzten Platz besetzt, zudem ersticken die wartenden Menschen jegliche Hoffnung im Keim, dass sich das in einem überschaubaren Zeitraum ändern könnte. Also setzen wir uns in den Außenbereich eines ebenfalls sehr gut besetzten anderen Restaurants mit Blick auf die Zitadelle und bestellen lediglich einen Milchkaffee.

Freier Blick auf die Festung

Freier Blick auf die Festung

Der Ausblick auf die Festung wird von Minute zu Minute besser, weil die Marktleute dabei sind, ihre Stände abzubauen.

Turm mit Uhr und Sonnenuhr

Turm mit Uhr und Sonnenuhr

Anschließend brechen wir auf, die Festung und die in ihr befindliche historische Altstadt zu besichtigen. Wir müssen nur die Straße überqueren, um auf die Brücke zu gelangen.

Um die Ecke, an der sich Petra und Goya befinden, geht's rein

Um die Ecke, an der sich Petra und Goya befinden, geht’s rein

Das einzige auf trockenem Wege in die Altstadt von Concarneau führende Tor

Das einzige auf trockenem Wege in die Altstadt von Concarneau führende Tor

Der Anblick der Hauptstraße enttäuscht uns, weil das gesamte Viertel ausschließlich auf Tourismus ausgerichtet ist. Wir haben den Eindruck von Königswinter in der Nachsaison.

Dem Tourismus geschuldete Künstlichkeit

Dem Tourismus geschuldete Künstlichkeit

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Abseits das Maison du Gouverneur

Abseits das Maison du Gouverneur

Außerhalb des zentralen Weges an der Mauer der Zitadelle

Außerhalb des zentralen Weges an der Mauer der Zitadelle

Mit diesem Boot kehrte eine hippie-ähnliche, männliche Erscheinung vom Fisch- beziehungsweise Muschelfang zurück

Mit diesem Boot kehrte eine hippie-ähnliche, männliche Erscheinung vom Fisch- beziehungsweise Muschelfang zurück

Ein Weg auf die andere Seite der Mauer. Hierdurch soll einst Wein angeliefert worden sei.

Ein Weg auf die andere Seite der Mauer. Hierdurch soll einst Wein angeliefert worden sein.

Blick vpn der Mauer auf die Mauer

Blick von der Mauer auf die Mauer

Ein keines Fischerboot kehrt zurück. Im Hintergrund eine Werft mit Kriegsschiffen

Ein kleines Fischerboot kehrt zurück. Im Hintergrund eine Werft mit Kriegsschiffen

Sicher ist eine solche Feststellung unfair, leben doch die Menschen hier zu einem Großteil vom Tourismus. Ganz generell neigt ja der Industriebürger dazu, die Einfachheit der Lebenumstände anderer bis hin zum Elend als romantisch oder malerisch zu empfinden. Wir besichtigen dennoch die Zitadelle, erklettern die Schutzmauer und gelangen auf einen Hügel auf der Festungsinsel.

Anschließend kehren wir zum Auto zurück, welches sich ohne Strafzettel oder Wegfahrsperre noch immer an derselben Stelle befindet, und brechen in Richtung Pont-Aven auf, der Stadt der bretonischen Verhältnisse. Ganz langsam beginnen Wolken die Szenerie zu bedecken. An einem Strand in unmittelbarer Nähe von Concarneau machen wir kurz Halt, um Goya ein wenig toben zu lassen. Die Damen gehen sofort wieder auf Muschelsuche.

Himmelskino an einem Strand bei Concarneau

Himmelskino an einem Strand bei Concarneau

Die gesenkten Köpfe verraten sie

Die gesenkten Köpfe verraten sie

In Pont-Aven angekommen identifizieren wir sofort das im Roman beschriebene kleine Künstlerstädtchen, das wir uns ohne Zögern als weiteren Wohnsitz auserkiesen.

Toilettenhäuschen, ursprünglich vermutlich als Plumpsklo mit Abgang in den Aven konzipiert

Toilettenhäuschen, ursprünglich vermutlich als Plumpsklo mit Abgang in den Aven konzipiert

Die Pension Gloanec, im Erdgeschoss befindet sich heute ein Geschäft

Die Pension Gloanec, im Erdgeschoss befindet sich heute ein Geschäft

Malerische Szene

Wir sehen uns in Pont Aven um und finden am Place Gauguin Nummer fünf die berühmte Pension Gloanec. Ab dem Jahr 1860 waren immer mehr Künstler nach Pont-Aven gereist, um hier besondere Motive in besonderem Licht für ihre Bilder zu finden. Der bekannteste unter ihnen war Paul Gauguin, der die Leitung der Künstlergruppe und der Schule von Pont-Aven übernommen hatte. Die Pension Gloanec diente Gauguin, Sérusier, Maufra et cetera fortan als Basis für ihr künstlerisches und soziales Leben.

Hinter der Pension Gloanec

Hinter der Pension Gloanec

In Pont-Aven haben zahlreiche Boote festgemacht

In Pont-Aven haben zahlreiche Boote festgemacht

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Spiegelungen und eines der vielen Häuser, die wir uns als Zweitwohnsitz vorstellen könnten

Spiegelungen und eines der vielen Häuser, die wir uns als Zweitwohnsitz vorstellen könnten

Künstlerische Betätigung gegenüber

Künstlerische Betätigung gegenüber

Eine beziehungsweise die mit Pflanzen bewucherte Brücke

Eine beziehungsweise die mit Pflanzen bewucherte Brücke

Ein Monilith im Wasser des Aven mit Befestigungsmöglichkeit

Ein Monolith im Wasser des Aven mit Befestigungsmöglichkeit

Wir besichtigen den „Rest“ des Städtchen und begeben uns dann in das Restaurant Moulin du grand Poulguin, dessen Terrasse mit malerischem Ausblick direkt am Aven liegt.

Das Moulin du grand Poulguin direkt am Wasser.

Das Moulin du grand Poulguin direkt am Wasser.

Es wird kalt

Es wird kalt

Trotz der schleichend aufkommenden Kälte setzen wir uns auf die Terrasse und werden wieder einmal freundlich und aufmerksam behandelt.

Am Bélon

Nach einem kleinen Imbiss veranlasst uns aufforderndes Murren der Damen zur Weiterfahrt zum Bélon. Bélon-Austern seien ein Muss, heißt es. Nach einer etwas aufwändigeren Suchaktion wegen ständiger Einreden zwecks optimierter Routenfindung gelangen wir endlich nach Port-de-Bélon. Auf der abschüssigen Straße können wir das Auto abstellen und zu Fuß weitergehen. Sofort entdecken wir das „Château“.

Informationen über die Austernzüchter-Familie

Informationen über die Austernzüchter-Familie und über den wahren Grund für die Monate mit „r“

Wir wissen, dass wir richtig sind

Wir wissen, dass wir richtig sind

Man muss wissen, dass es sich dabei nicht um ein Schloss im herkömmlichen Sinne handelt.

Das Château

Das Château

Der Zugang zum Innenhof

Der Zugang zum Innenhof

Links betreten wir einen Innenhof, der sich exakt so darstellt, wie in „Bretonischer Stolz“ beschrieben. Ein Mann mittleren Alters kommt auf uns zu und stellt sich als François de Solminiac vor. Er ist der Herr der Austern im Château. Wir erklären ihm, wie und warum wir hierhergekommen sind. Solminiac und seine Mitarbeiterin Natalie Olivier lachen und erzählen, wie Bong alias Bannalec hier aufgetaucht sei, um für seinen Roman die Lokalität und die geplanten Szenen zu recherchieren. Da Solminiac wenig Zeit hat, verabreden wir ein weiteres Treffen am 14. Oktober, welches auch derm Zweck dienen soll, möglicher Weise in Bonn einen Bélon-Austern-Club zu gründen, weil er mit Hilfe seiner Cousine, die in Bad Honnef lebt, Bélon-Austern einen besseren und weiteren Bekanntheitsgrad verschaffen will.

Der Innenhof mit Becken

Der Innenhof mit Becken

In diesem Becken "säubern" sich die Austern

In diesem Becken „säubern“ sich die Austern

Die Austern werden in Körben zusammengehalten

Die Austern werden in Körben zusammengehalten

Lauter Bélon-Austern für die Verkostung

Lauter Bélon-Austern für die Verkostung

Das Größenverhältnis: In der Mitte die allgemein bekannte Creuse, rechts eine große pazifische Auster, links die eigentliche Europäerin, die Plate

Das Größenverhältnis: In der Mitte die allgemein bekannte Creuse, rechts eine große pazifische Auster, links die eigentliche Europäerin, die Plate

Die Verkostung ist sehr preiswert. Man isst dazu Schwarzbrot mit Butter und trinkt Muscadet.

Die Verkostung ist sehr preiswert. Man isst dazu Schwarzbrot mit Butter und trinkt Muscadet.

Das direkt am Wasser gelegene Restaurant Chez Jacky

Das direkt am Wasser gelegene Restaurant Chez Jacky

 

Austernsäcke werden langsam von der einsetzenden Flut bedeckt

Austernsäcke werden langsam von der einsetzenden Flut bedeckt

Blick zum Atlantik am Zusammenfluss von Bélon und Aven

Blick zum Atlantik am Zusammenfluss von Bélon und Aven

In der Gewissheit, noch einmal hierher zu kommen, besichtigen wir lediglich den Bereich um das Fischrestaurant und den Betrieb von Anne von außen. Der Blick über die Bucht hin zum Meer, ebenfalls im Buch beschrieben, löst seltsam beruhigende Gefühle aus. Anschließend kehren wir zurück nach St.-Gildas, wo das übliche Procedere stattfindet.

Vierundzwanzigster Tag, 10. Oktober 2015

Endlich, Markt in Vannes! Wieder einmal quälen wir uns besonders früh aus den Kojen. Auf das übliche Frühstück verzichtend nehmen wir eine kleine Stärkung mit auf den Weg.
Weil wir ja gelernt haben, suchen wir ohne Umwege einen Parkplatz an der beeindruckenden Stadtmauer. Es ist ein postkartengerechter Anblick, wundervoll kitschig.

Noch ein Blick auf die Stadtmauer mit der dahinter liegenden Cathédrale Saint-Pierre

Noch ein Blick auf die Stadtmauer mit der dahinter liegenden Cathédrale Saint-Pierre

Die Stadtmauer vom Brückenzugang aus

Die Stadtmauer vom Brückenzugang aus

Ein Zugang über die Brücke in die Altstadt von Vannes

Ein Zugang über die Brücke in die Altstadt von Vannes

Über eine kleine Brücke betreten wir die Altstadt von Vannes, deren Zentrum ein einziger Markt zu sein scheint. Silvia und Petra verschwinden umgehend in der Markthalle „Halle de Lices“. Dort scheint es auf einem konzentrierten Areal alles zu geben, was das Herz begehrt. Albert und ich nehmen das Gelände an der Stadtmauer außen in genaueren Augenschein.

Der vor der Stadtmauer liegende Park

Der vor der Stadtmauer liegende Park

Der abgeschlossene Teil des Parks

Der abgeschlossene Teil des Parks und die Schlossfassade

Das im Jahr 1817 errichtete Waschhaus vor der Stadtmauer an dem Flüsschen Marle

Das im Jahr 1817 errichtete Waschhaus vor der Stadtmauer an dem Flüsschen Marle

Nach unserer Rückkehr lässt sich Albert unter dem Vorwand, die Frauen suchen zu wollen, ebenfalls von der Markthalle verschlucken. Weil ich in Begleitung meines Hundes bin, muss ich leider draußen bleiben und warten.

Ich sitze also auf einer Bank vor der Halle und werde Goyas wegen immer wieder angesprochen, zumeist von jungen Frauen. Ein Glück, manchmal auch schade, dass sie nicht mich streicheln wollen. Ein älterer Mann kommt auf mich zu: „Oh, un Berger Belge, un Tervueren. Comme il est dévot. Bravo!“ Der Mann kennt sich offenbar aus. Nur das Wörtchen „dévot“ stört mich, bis ich erfahre, dass dies insbesondere im Zusammenhang mit Hunden die Unterordnung unter den Hundeführer, in diesem Falle also mich, bedeutet. Endlich kommen die drei wieder heraus. Anschließend schwärmen wir paarweise getrennt aus, um möglichst viel sehen zu können.

Albert schlendert über den Markt und wird unbemerkt fotografiert

Albert schlendert über den Markt und wird unbemerkt fotografiert

Die Menschen pilgern vom Stadttor am Hafen aus zum Marktplatz

Die Menschen pilgern vom Stadttor am Hafen aus zum Marktplatz

Großes Gedränge bestimmt den Eindruck

Großes Gedränge bestimmt den Eindruck

Reger Austausch

Reger Austausch

Reiche Beute

Wir treffen wieder auf Silvia und Albert, die erfolgreich ein paar Ohrringe aus Jade erstanden haben. Zu guter Letzt entdecken wir die berühmte Fischmarkthalle. Hier ist viel los. Wir können sogar den Hund mitnehmen – der Fisch fiest sich vor nichts. Allerlei Getier ist zu entdecken, das sich normaler Weise im Atlantik herumtreibt.

Alles, was der Atlantik so Essbares hergibt

Alles, was der Atlantik so Essbares hergibt

Unbarmherzig festgehalten von zarter Hand

Unbarmherzig festgehalten von zarter Hand

Letztlich sind Steinpilze und Jakobsmuscheln die kulinarische Ausbeute des Marktbesuches. Um uns aufzuwärmen, begeben wir uns in ein stark frequentiertes Café direkt am Marktplatz und haben großes Glück. Wir ergattern einen Platz für vier Menschen zuzüglich Hund, trinken Milchkaffee und essen sämtliche noch angebotenen Croissants weg. Dergestalt energetisiert stürzen wir uns nochmals in das Marktgeschehen. Das zeigt inzwischen deutliche Auflösungserscheinungen. Die Transporter drängen rücksichtslos zu ihren Ständen. Es ist eng.

 

Gnadenlos rein in den Trubel, irgendwie wird das schon gehen

Gnadenlos rein in den Trubel, irgendwie wird das schon gehen

Er hat sich vertan und nimmt's mit Humor

Er hat sich vertan und nimmt’s mit Humor

Es wird Zeit, sich mit den Einkäufen nach Hause zu begeben. Albert und ich machen uns mit Goya auf den Weg zum Meer, damit dieser sich noch ein wenig verausgaben kann.

Auf der Wanderung zum Meer

Auf der Wanderung zum Meer

Schnelles Fischerboot

Schnelles Fischerboot

Durch diese hohle Gasse sind wir gekommen

Durch diese hohle Gasse sind wir gekommen

Ein solcher Markttag ist für so einen Hund nicht gerade ein artgerechtes Highlight. Die beiden Damen halten Siesta, die erst nach unserer Rückkehr beendet wird. Dann machen sich die Beiden auf nach St.-Gildas, um schnell noch beim Spar so unerlässliche Dinge wie Würfel, neue Spielkarten und Wein einzukaufen. Ach ja, auch Baguette muss besorgt werden.

Ein Schlachtfest

Nach unserer Rückkehr ist es so weit. Die Schlachtung der Jakobsmuscheln steht an. Silvia und Albert, die so etwas noch nie getan haben, wollen das von Petra, die so etwas schon oft getan hat, lernen und stehen an der Spüle bereit. Ich fotografiere das Gemetzel zwar, will aber aus ästhetischen Gründen nicht alle Bilder zeigen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als Anfänger-Schlachtungen. Daher ist hier nur ein einziges Bild zu sehen. Es ist gerade noch so vertretbar. Einige der Augen der Muschel sind deutlich zu erkennen.

Deutlich sind die Augen zu erkennen

Deutlich sind die Augen zu erkennen

Ganz grundsätzlich ist für mich persönlich der Akt der Tötung von Jakobsmuscheln eine recht zwiespältige Angelegenheit aus dem folgenden Grund: Verschiedenen Abhandlungen über Kammmuscheln, zu denen ja die Jakobsmuscheln gehören, konnte ich entnehmen, dass es sich bei diesen um die einzigen Muscheln handelt, die in der Lage sind, vor Fressfeinden wie Seesternen oder Steinbeißern zu fliehen. Sie bewerkstelligen das mit Hilfe ihrer Schalen, die sie wie die Flügel eines Schmetterlings auf- und zuklappen, um sich auf diese Weise, sozusagen durch das Wasser flatternd, fortzubewegen. Jetzt kommt’s: Sie können ihre Feinde tatsächlich sehen! Sie besitzen am Mantelrand rund hundert stecknadelkopfgroße, tiefblaue Augen, die nebeneinander aufgereiht sind. Das bedeutet, dass diese Muscheln über so etwas wie ein zentrales Nervensystem verfügen. Jedenfalls habe ich persönlich beim Durchschneiden des großen Muskels und der Öffnung der zuvor fest verschlossenen Schalen ein ganz schlechtes Gewissen, welches noch schlechter wird, wenn mich die Blicke aus gebrochenen blauen Augen direkt in die Seele treffen. Gott sei Dank ist mein Gewissen wieder gut, wenn der Duft der überbackenen oder gebratenen Muscheln in meine Nase steigt.

Da in unserer Behausung hier in St.-Gildas kein Kochtopf zu finden ist, der groß genug wäre, wickeln wir die Artischocken in Alufolie und legen sie in den vorgeheizten Backofen. Für die Jakobsmuscheln wird in einer Pfanne ein Fonds aus Olivenöl, rosa Zwiebeln, Knoblauch, Chili, Pfeffer und einem ordentlichen Schuss Weißwein angesetzt. Nach dessen Reduzierung kommt etwas Butter hinzu. Ist alles miteinander vermischt, wird das Fleisch der Jakobsmuscheln hineingelegt. Man lässt es bei starker Hitze und nur kurz leicht anbräunen. Anschließend sorgen in Hälften geschnittene Kirschtomaten für die Säure und zusätzliche Flüssigkeit. Dann wird das ganze gesalzen, fertig. Serviert werden die Jakobsmuscheln mit Baguette. Silvia probiert und zeigt keine der von ihr befürchteten allergischen Reaktionen. Allerdings isst sie alternativ Sardinen. Die Artischocken haben wir schon vorher vertilgt. Cidre und Wein runden das Abendessen ab.
Danach spielen wir Kniffel spezial. Das ist ein Spiel, welches ich persönlich nie gewinne. Es geht ja darum, vier verschiedene Kniffelarten in einem zu spielen: Normal, von unten, von oben und im ersten Wurf. Es fängt bei mir damit an, dass ich mich anfangs falsch entscheide, anschließend den Überblick verliere und dann immer kein Glück habe. Ganz zum Schluss kommt auch noch Pech dazu. Kurzum, das Spiel verarbeite ich kurz nach Mitternacht auf dem Spaziergang mit Goya.

Fünfundzwanzigster Tag, 11. Oktober 2015

Eigentlich haben wir heute, am Samstag, einen ruhigen Tag eingeplant. Nach einem reichhaltigen Frühstück beschließen wir, in das historische Städtchen Auray zu fahren. Von Herrn Baedecker wurden wir darauf hingewiesen, dass dies eine touristische Notwendigkeit sei. Wie sich herausstellt, ist Auray an diesem Tag völlig menschenleer.

Ausgestorbenes Auray

Ausgestorbenes Auray

An der im Jahr 1641 erbauten Kirche St. Gildas stellen wir das Auto ab.

Gildas – ein bemerkenswerter Mensch

Wie einige andere Kirchen wurde auch diese nach dem später heilig gesprochenen Gildas dem Weisen benannt. Der war offensichtlich eine herausragende und erstaunliche Persönlichkeit, die weder weltliche noch kirchliche Machthaber fürchtete und bereits Mitte des siebten Jahrhunderts treffliche Schelte verteilte. Überliefert sind Aussagen wie „Britannien hat Könige, doch sind sie Tyrannen, und Richter, doch sind sie pflichtvergessen“, oder „Britannien hat Priester, aber sie sind Narren, viele Geistliche, aber sie sind schamlos, Kleriker, aber sie sind verschlagene Plünderer“. Uns war dieser bemerkenswerte Mann vor unserer Reise in die Bretagne kein Begriff gewesen.

Die Kirche St.-Gildas in Auray - kein Platz nach hinten, um alles auf das Foto zu bekommen

Die Kirche St.-Gildas in Auray – kein Platz nach hinten, um alles auf das Foto zu bekommen

Die Kirche St. Gildas ist wegen ihrer unterschiedlichen Bauabschnitte ein interessanter Stilmix. Am Südportal zeigt sie Renaissance-Merkmale, in der Kirche ruhen gotische Arkaden auf dorischen Säulen, das Marmorretabel ist barock. In der Kirche befindet sich eine lebensgroße Skulptur des liegenden, vom Kreuz abgenommenen Jesus.

Das Kirchenschiff

Das Kirchenschiff

Die lebensgroße Skulptur des liegenden Jesus

Die lebensgroße Skulptur des liegenden Jesus

Blick quer durch das Mittelschiff

Blick quer durch das Mittelschiff

Die prächtige Orgel

Die prächtige Orgel

Gotische Spitzbögen auf dorischen Säulen

Gotische Spitzbögen auf dorischen Säulen

Prächtig verziertes Ambiente

Prächtig verziertes Ambiente

Im Hafen von Auray

Weil das Städtchen Auray um die Kirche herum völlig ausgestorben und trostlos wirkt, ergreifen wir nach der Kirchenbesichtigung etwas gefrustet die Flucht und suchen nach dem in höchsten Tönen angepriesenen Hafen. Und endlich erreichen wir St.-Goustan, den Hafen von Auray. Der ist nicht so einfach zu finden, bis wir feststellen, dass er unter einem anderen Namen firmiert: St. Goustan. Logischerweise geht es den Berg runter und endlich, da ist er. Es sind ziemlich viele Menschen unterwegs, so dass sich die Suche nach einem Parkplatz schwierig erweist. Dann klappt auch das..

Blick auf die Steinbrücke und die Place St.-Sauveur

Blick auf die Steinbrücke und die Place St.-Sauveur

Hier hat Geschichte stattgefunden: Benjamin Franklin, Multitalent und zu diesem Zeitpunkt, kurz nach Ausbruch des US-amerikanischen Freiheitskampfes gegen England, war als Diplomat mit dem Schiff unterwegs zu Verhandlungen mit der französischen Regierung und konnte wegen eines Sturmes nicht den eigentlichen Zielhafen Nantes erreichen, sondern war gezwungen, am vierten Dezember 1776 in Auray-St.-Goustan an Land zu gehen. Erst von hier aus setzte er nach ein paar Übernachtungen seine Reise nach Nantes und Paris in einer Kutsche fort. (Wie allgemein bekannt sein dürfte, war sein Wirken in Paris letztlich von Erfolg gekrönt, haben doch die Amerikaner den Sieg über England der militärischen Intervention Frankreichs vor Ort zu verdanken.) Am Place St-Sauveur ist das Haus zu bestaunen, in welchem Franklin übernachtet hatte.

Rechts das Haus, in dem einst unfreiwillig Benjamin Franklin nächtigte

Rechts das Haus, in dem einst unfreiwillig Benjamin Franklin nächtigte

An nämlichem Platze gibt es ein Restaurant, das „Bistrot du Port“, in welchem wir von einem Flüchtling aus Bergisch-Gladbach bedient werden. Er erzählt, dass er von Jahr zu Jahr in verschiedenen Restaurants, Bars oder Bistros in ganz Frankreich anheuert – ein zweifellos interessantes Vagabundenleben. Anschließend besichtigen wir den Bereich rund um den Platz. Er liegt an einer niedrigen Steinbrücke, gesäumt von schönen, gut erhaltenen Häusern aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert.

Stehend unser Kellner aus Bergisch-Gladbach

Stehend unser Kellner aus Bergisch-Gladbach

Die Auray, hinten St.-Gustan

Der Fluss Auray, hinten St.-Gustan

Malerische Gässchen

Malerische Gässchen

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Blick von der Steinbrücke aus in die andere Richtung

Blick von der Steinbrücke aus in die andere Richtung

Gemütliche Kneipe mit Liegestühlen

Gemütliche Kneipe mit Liegestühlen

Ein ganz besonderes Gericht

Auf unserem Rückweg suchen wir nach einem Strand für Goya. Bei Larmor-Baden können wir ihn schließlich nach mehreren Fehlversuchen im Wasser toben lassen, beobachtet von einem fremden grauen Tervueren, der nur zu gerne mitgespielt hätte. Aber Goya ist in solchen Fällen gnadenlos selbstsüchtig.

Endlich, Goya ist begeistert

Endlich, Goya ist begeistert

Aber, keiner darf mitpielen! Du da hinten bleibst an der Leine!

Aber, keiner darf mitpielen! Du da hinten bleibst an der Leine!

Silvia (hinten) und Albert (vorne) - entspannte Harmonie

Silvia (hinten) und Albert (vorne) – entspannte Harmonie

Ich werde langsam hungrig und Goya muss sein Schwimmfestival beenden. Im Ferienhaus wird gekocht und Albert freut sich auf seine geliebten Nudeln. Es gibt nämlich Spaghetti mit Steinpilzen und Pinienkernen sowie dem unvermeidlichen Baguette. Heute wollen sich die Frauen verwöhnen lassen.

Ich gehöre nicht zu der Sorte Mann, die den Umstand, einmal (ausnahmsweise) gekocht zu haben, zum Dauerthema macht. Ebenso hasse ich Eigenlob. Deshalb will ich nur ganz ganz kurz etwas zu den göttlichen Steinpilzen, die ich an diesem Abend zubereitet habe, rezeptmäßig sagen: Die Pilze werden mit einer Bürste – ohne Wasser, also trocken – gesäubert, von verwurmten Stellen befreit und grob mit einer Kantenlänge von etwa zwei Zentimetern gewürfelt. Die Steinpilzwürfel kommen in eine Schüssel und werden beiseite gestellt. Anschließend entledige ich zwei Roscoff-Zwiebeln ihrer Schalen und würfele sie sehr klein. Die Zwiebelwürfelchen gebe ich umgehend in eine hochrandige Pfanne mit ordentlich (sehr gutem) Olivenöl, in welchem ich sie auf kleiner Flamme längere Zeit ziehen lasse. Sie dürfen keinesfalls braun werden. Dann schäle ich fünf ausgewachsene, frische Knoblauchzehen und schneide sie in feine Scheiben. Zusammen mit klein gehackten Pinienkernen und den Zwiebeln lasse ich sie ziehen.

Anschließend wird der Sud gesalzen und gepfeffert. Hinzu kommt ein kleiner, ein wirklich kleiner Spritzer dunklen Balsamicos. Im Mörser zerkleinere ich je nach Schärfe-Gusto kleine, getrocknete Chilischoten und mische sie unter. Die Zwiebeln machen den Sud sämig. Jetzt kommen die Steinpilzwürfel hinein, die ich kurz vorher gesalzen und gepfeffert habe. Anschließend werden sie auf großer Flamme gegart. Man muss höllisch aufpassen, dass nichts anbrennt. Die Spaghetti brauchen nicht lange. Wir schwelgen und trinken dazu einen Les Pouges Blanc von Leyris Mazière (Gilles et Odile Leyris) aus dem Languedoc, den wir aus Bonn mitgebracht haben.

Zur Belohnung dürfen Albert und ich uns nach Essen und Aufräumen das Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft, Deutschland gegen Georgien, ansehen. Ein müdes Zwei zu Eins springt am Ende heraus. Silvia und Petra sitzen währenddessen am Computer mit gelegentlichen Schlafpausen. Unvollendete Planspiele für den kommenden Tag begleiten uns auf den Hundespaziergang und in die Kojen.

Sechsundzwanzigster Tag, 12. Oktober 2015

Die Nacht ist hart. Silvia und ich können nur in Etappen schlafen. Verantwortlich hierfür sind die Schnarch-Attacken von Petra und Albert. Petra ist so laut, dass selbst Silvia sie eine Etage tiefer, das Konzert von Albert untermalend, hören kann. Was soll erst ich da sagen mit meinem in unmittelbarer Nähe der Lärmquelle schwebenden Ohr. Später hat mir eine Freundin diesbezüglich den Tipp gegeben, mich umgekehrt ins Bett zu legen. Bei ihr funktioniere das, sie fühle sich seither von ihrem Manne nicht mehr so belästigt. Ich habe das ausprobiert und tatsächlich, so kann man es durchaus aushalten. Jedenfalls, am Morgen um halb acht wird so oder so jegliche Aussicht auf ein wenig Schlaf zur Makulatur, als in der Nachbarschaft mindestens drei Rasenmäher ziemlich zeitgleich loszuröhren beginnen.

Mangelnder Schlaf unterstützt Silvias und meinen Vorschlag, heute endlich zu faulenzen. Wir nehmen ein stark verfrühtes Frühstück gegen zehn Uhr ein. Ganz nebenbei erfinden wir als Folge zerstochener Fingerkuppen einen Eierpicker. Die Löcher in die zu kochenden Eier haben wir bis Dato mit Hilfe einer Nähnadel gestochen.

Eigene Erfindung - McGuyver lässt grüßen

Eigene Erfindung – McGuyver lässt grüßen

Die Erfindung sieht folgendermaßen aus: Wir nehmen uns einen Weinkorken vor, schneiden ihn auf die Länge der Nähnadel minus vier Millimeter zu und stechen diese von der einen Seite des zugeschnittenen Korkens zentral angesetzt bis zum Ende durch. Die Nadel, weil ja vier Millimeter länger als der Korken, steht anschließend diese vier Millimeter auf der anderen Seite über und erfüllt ihren Zweck ganz hervorragend, ohne die Finger jemals wieder zu verletzen. Zum Eierpicken wird der Korken einfach auf eine stabile Fläche mit der Spitze nach oben gestellt und das Ei von oben angestochen.

Neue Waschmaschine

Für elf Uhr hat sich Madame L. zwecks Anlieferung einer neuen Waschmaschine angemeldet. Damit haben wir nicht mehr gerechnet. Albert und ich flüchten auf die Sonnenliegen. Die Frauen testen die Waschmaschine. Anschließend suchen wir uns auf der Karte ganz in der Nähe von St.-Gildas einen Strand, an welchem wir ein wenig spazieren gehen und den Hund toben lassen können.

Neben Campingplatz auch Segelschule

Neben Campingplatz auch Segelschule

Hinter den Schildern der Kiefernwald

Hinter den Schildern der Kiefernwald

Mit Stacheldraht vor touristischen Campern geschützt

Mit Stacheldraht vor touristischen Campern geschützt

Gefunden haben wir den Plage du Roaliguen, der sehr schön am Rand eines ausgedehnten Kiefernwaldes gelegen ist. Allerdings wurde dieser mit Stacheldrahtzäunen vor dem Betreten geschützt. Wir vermuten, dass dies mit dem dortigen Camping- und Caravan-Platz-Betrieb in der Hauptsaison zusammenhängt. Der Strand ist offenbar auch Ausgangspunkt für Touren von Klein-Katamaranen und Windsurfern.

Der Strand, zwar nicht aufgeräumt, aber natürlich belassen

Der Strand, zwar nicht aufgeräumt, aber natürlich belassen

Goya ist glücklich

Goya ist glücklich

In der Sonne trocknen

In der Sonne trocknen

Grundstellung des Kopfes - stets den Blick nach unten

Grundstellung des Kopfes – stets den Blick nach unten

Silvia betreibt die Muschelsuche mittlerweile im Sitzen

Silvia betreibt die Muschelsuche mittlerweile im Sitzen

Bart aus Tang

Bart aus Tang

Wie immer suchen die Frauen Muscheln. Wind und Wetter sind äußerst angenehm. Nachdem sich Goya ausgetobt hat und wir einen kleinen Spaziergang den Strand lang unternommen haben, fahren wir nach St.-Gildas. Wir schaffen es, uns einen Platz in der Crèperie d’Antan zu reservieren, um dort später unser Abendessen einzunehmen.

Die Crèperie d'Antan

Die Crèperie d’Antan

Das älteste Kloster der Bretagne

Dann machen wir uns auf, die Klosterkirche am Marktplatz zu besuchen, ein Vorhaben, welches wir bislang sträflich vernachlässigt haben. Denn wie wir in Erfahrung bringen, handelt es sich bei der gesamten Anlage um das älteste Kloster der Bretagne. Es wurde von Gildas um das Jahr 530 gegründet und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Anfangs prosperierte das Kloster, so dass es vierhundert Jahre später von mehreren hundert Mönchen bevölkert worden sein soll. Zu Beginn des zehnten Jahrhunderts allerdings zerstörten in die Bretagne einfallende Normannen das Kloster vollständig. Im Jahr 1032, nach vierundzwanzig Jahren Bauzeit, wurde es vom Bischof von Vannes wieder eröffnet. In den darauf folgenden Jahrhunderten bestimmten viele Auf- und Abwärtstrends das Klosterleben. Das Kloster überlebte die französische Revolution. Im Jahr 1824 schließlich wurde das Kloster von privater Seite erworben und ein Jahr später übernahmen die Soeurs de la Charité de Saint-Louis den Ordensbetrieb.

 

In der Kirche des S.-Gildas

In der Kirche des S.-Gildas

Ein Eindruck wie in einem Ritterfilm

Ein Eindruck wie in einem Ritterfilm

Bei den vielen Heiligen habe ich den Überblick verloren

Bei den vielen Heiligen habe ich den Überblick verloren

Auf dem Friedhof des Klosters

Auf dem Friedhof des Klosters

Wie wahr

Wie wahr

Nach Kirchen- und Friedhofsbesichtigung setzen wir uns in das Café de la Place.

Das Café de la Place, links auf der Terrasse Silvia und Albert

Das Café de la Place, links auf der Terrasse Silvia und Albert

Interessante Gäste, hier ein Künstler? So sieht er jedenfalls aus

Interessante Gäste, hier ein Künstler? So sieht er jedenfalls aus

Wir warten darauf, in die Crèperie zu können. Dort sind Crèpes und Cidres wie üblich ganz hervorragend.

Auf dem Weg zum Restaurant menschenleer

Auf dem Weg zum Restaurant menschenleer

Gut gefüllt treten wir den Heimweg an

Gut gefüllt treten wir den Heimweg an

Heimelige Atmosphäre, kommt besser in Schwarzweiß

Heimelige Atmosphäre, kommt besser in Schwarzweiß

Wir wanken nach Hause. Albert und ich gehen um Mitternacht wie üblich mit dem Hund zum Meer.

Siebenundzwanzigster Tag, 13. Oktober 2015

Der Morgenspaziergang mit Goya ist heute bemerkenswert, weil ich an diesem Tag außergewöhnlich viele Singvögel sehen und belauschen kann. Leider habe ich das falsche Kamera-Equipment bei mir, zudem sind die Vögel für mich am frühen Morgen noch zu flink, so dass ich mit Ausnahme eines Rotkehlchens keine einigermaßen attraktiv auf den Chip gebannt bekomme.

Ein Rotkehlchen begrüßt Goya und mich

Ein Rotkehlchen begrüßt Goya und mich

Ebenfalls dokumentiere ich endlich einige der subtropischen Pflanzen, die hier wachsen.

Eine Blüte der Passionsblume in der Hecke

Eine Blüte der Passionsblume in der Hecke…

Und hier die Passionsfrucht

…und hier die Passionsfrucht

Ein letztes Mal in Vannes

Den Ankündigungen im Internet können wir entnehmen, dass am heutigen Tage in der Fischhalle von Vannes großer Fischmarkt sein soll. Wir erleben jedoch eine herbe Enttäuschung. In der gesamten großen Halle bietet nur (noch) ein einziger Fischhändler seine Ware feil, obwohl die Öffnungszeiten etwas anderes versprechen. Wir versuchen, das Beste aus dem Tag zu machen und wissend, dass es unser letzter in Vannes ist, flanieren wir in der Altstadt. Schließlich trennen wir uns – Albert und ich erkunden die Stadtmauer außerhalb der Altstadt, die Damen wollen sich nach Postkarten und anderen anachronistischen Kommunikationsmitteln umsehen.

Ein Treffpunkt

Uns fällt auf, dass aus der alten Wäscherei Musik ertönt. Wir gehen nachsehen und entdecken in allen möglichen der verwinkelten Ecken junge Leute, Mädchen und Jungens, die dort unten sitzen, die einen händchenhaltend, manche rauchend, Cola trinkend, wieder andere Hausaufgaben machend, alle sich von der Musik aus Ghettoblastern berieseln lassend, sich ob unserer Erscheinung kein bisschen wundernd. Es handelt sich offenbar um Schüler, die diese Treffen ritualisiert nach der Schule verabreden – im Dunkeln ist gut Munkeln! Wir erinnern uns an unsere Schulzeit und schmunzeln.

Zwei junge Leute in der alten Wäscherei von oben gesehen

Zwei junge Leute in der alten Wäscherei von oben gesehen

Wir schauen uns noch in der parkähnlichen Anlage am Fuße der Stadtmauer um. Am Horizont färbt sich der Himmel dunkelgrau – zusammen mit dem Sonnenlicht eine faszinierende Kombination. Es scheint sich ein Unwetter anzukündigen.

Das Flüsschen Marle an der Stadtmauer

Das Flüsschen Marle an der Stadtmauer

Der Park am Fuße der Stadtmauer

Der Park am Fuße der Stadtmauer

Der Himmel zieht sich zu

Der Himmel zieht sich zu

Am Marktplatz in Vannes: Gleich hat die Sonne keine Chance mehr

Am Marktplatz in Vannes: Gleich hat die Sonne keine Chance mehr

Anschließend treffen wir die Damen wieder. In einem kleinen Fischgeschäft bleiben wir hängen. Das hatten wir vorher im Angesicht der gegenüberliegenden Fischhalle glatt übersehen. Wir kaufen ein, was wir für eine Bouillabaisse benötigen: Thunfisch, Krebsscheren, Lotte, Merliac, inklusive Jakobsmuscheln sowie Karkassen und Fischköpfe für den Fond.

Petersfische

Petersfische

Die "Coquilles St. Jacques" leben noch

Die „Coquilles St. Jacques“ leben noch

Der Hummer gibt nicht auf, alleine, es nützt ihm nichts

Der Hummer gibt nicht auf, alleine, es nützt ihm nichts

Wo sind die Jakobsmuscheln?

Nach einem schnellen Kaffee kehren wir umgehend in unser Ferienhaus zurück und stellen dort fest, dass die Jakobsmuscheln fehlen. Nach hektischen Überlegungen, wie wir jetzt noch an Jakobsmuscheln kommen, stellt sich allerdings heraus, dass sie doch da sind, nur ohne Schalen. Der Fischhändler hatte das Muschelfleisch, von uns unbemerkt, in affenartiger Geschwindigkeit ausgelöst und verpackt. Wir diskutieren noch ein wenig darüber, ob der Kauf einer Jakokobsmuschel die Muschelschalen als Produktmerkmal beinhalten müsse und kommen zu
dem Ergebnis, das nächste Mal besser aufzupassen.

Wir bereiten die Fischsuppe vor und fahren dann an den Plage de Kerver, um Goya körperliche Aktivität zu gönnen.

Ohne Aufsicht

Ohne Aufsicht

Beute!!

Beute!!

Was man in der Sonne alleine mit Unterbelichtung machen kann

Was man in der Sonne alleine mit Unterbelichtung machen kann

Während nach unserer Rückkehr Silvia und Petra die Bouillabaisse fertigmachen, gehen Albert und ich mit Goya am Meer entlang, dieses Mal in Richtung Westen. Ich halte malerische Szenen mit der Kamera fest.

Auf dem Weg nach Westen am Meer entlang stoßen wir auf den Hintereingang dieses Feriendomizils

Auf dem Weg nach Westen am Meer entlang stoßen wir auf den Hintereingang zum Park dieses Feriendomizils

Der Strand ist Fuß nur von Kletterspezialisten erreichbar

Der Strand ist zu Fuß nur von Kletterspezialisten erreichbar

Unter diesen vom Wasser unterspülten und ausgewaschenen Felsen könnte ein sehr großer Mensch aufrecht stehen und hätte noch Luft nach oben

Unter diesen vom Wasser unterspülten und ausgewaschenen Felsen könnte ein sehr großer Mensch aufrecht stehen und hätte noch Luft nach oben

Nicht ganz problemlos zu bewandern

Nicht ganz problemlos zu bewandern

Goya hat natürlich keine Probleme

Goya hat natürlich keine Probleme

Afrikanische Impression

Afrikanische Impression

Dieses (Bau)Haus über den Klippen würden wir gerne übernehmen, wenn...

Dieses (Bau)Haus über den Klippen würden wir gerne übernehmen, wenn…

Nach unserer Rückkehr verputzen wir die wieder einmal köstlich geratene Fischsuppe, spielen Doppelkopf (ich verliere schon wieder) und machen um Mitternacht unseren Spaziergang mit Goya.

Achtundzwanzigster Tag, 14. Oktober 2015

In dem Bewusstsein, dass mit dem heutigen und vorletzten Tag der vermutlich anstrengendste des gesamten Urlaubs anstehen wird, erheben wir uns sehr früh aus unseren Betten – statt zehn Uhr um neun Uhr des Morgens. Wir haben geplant, zuerst nach Quimper zu fahren und uns anschließend in Port de Bélon mit Natalie Olivier und François de Solminiac zwecks Besprechung der bereits erwähnten Gründung eines Bélon-Austern-Clubs in Bonn zu treffen.

Bezüglich Quimper, der Hauptstadt des Départements Finistère mit immerhin rund fünfundsechzigtausend Einwohnern, haben wir großartige Erwartungen. Wir sind allerdings so dumm, völlig unvorbereitet loszufahren. Und in Anbetracht der Größe der Stadt im Zusammenspiel mit der zur Verfügung stehenden Zeit ist Quimper für uns eine Enttäuschung.

Eigenartiges Erlebnis

Aber ich will von vorne beginnen: Nach der recht langen, knapp zwei Stunden lang dauernden Fahrt parken wir das Auto direkt am Fluss Odet und wenden uns der Altstadt zu, die wir anhand der beiden alles überragenden Türme der Cathédrale Saint Corentin am Place Saint Corentin identifizieren können.

Die Cathédrale Saint Corentin ist nicht zu übersehen

Die Cathédrale Saint Corentin ist nicht zu übersehen

Steil recken sich ihre Türme gen Himmel

Steil recken sich ihre Türme gen Himmel

Hier schwer zu erkennen: Zwischen beiden Türmen ein Reiterstandbild. Es stellt den König Gradlon dar

Hier schwer zu erkennen: Zwischen beiden Türmen ein Reiterstandbild. Es stellt den König Gradlon dar

Das Hauptportal

Das Hauptportal

Ein Größenvergleich

Ein Größenvergleich

Dort lassen wir uns erst einmal auf der Terrasse des Café du Finistère nieder, um einen freien Blick auf die Kathedrale – ein großartiger Anblick – zu haben. Albert und Silvia begeben sich sofort in die Kirche. Petra und ich wollen nachkommen, uns jedoch erst einmal mit einem heißen Café au Lait aufwärmen. Bereits fünf Minuten später stehen unsere beiden Freunde vor uns, das Mienenspiel eine Mischung aus Belustigung und Ärger: „Die haben uns rausgeschmissen. Die machen bis drei Mittagspause!“ So kommen Silvia und Albert nicht darüber hinaus, eine Kerze anzuzünden und diverse Informationsmaterialien zusammenzuraffen. Die geplante Besichtigung der Kathedrale fällt aus. Unserer Stimmung ist das nicht zuträglich.

Silvia: Gute Miene zum bösen Spiel

Silvia: Gute Miene zum bösen Spiel

Petra ist amüsiert

Petra ist amüsiert

Von unserem Café de Finistère aus gesehen: Ich hätte Bedenken, da drunter zu sitzen

Von unserem Café de Finistère aus gesehen: Ich hätte Bedenken, da drunter zu sitzen

Quimper sinkt in unserer Bewertung ins Bodenlose. Heimweh nach Vannes macht sich in mir bemerkbar. Albert sieht das alles natürlich ganz anders. Außer beim Doppelkopf kann er niemandem weh tun, nicht mal einer Stadt.

Wir beschließen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Petra erinnert sich an Bannalecs Beschreibung des in der Altstadt gelegenen Geschäftes mit den originalen Laguiole-Messern. (Man sollte dazu wissen, dass der Begriff „Laguiole“ nicht geschützt ist. Also wird unter diesem Namen ungeheuer viel Schrott verkauft. Auf den Märkten in der Bretagne wurden ganze Laguiole- Messersets für zwanzig Euro angeboten. Bei diesen handelt es sich in der Regel um Ware aus Ostasien mit angeblichen Laguiole-Markenzeichen) Wir finden das Geschäft und – es ist fest verschlossen. So können wir die begehrte Ware nur durch das Schaufenster begutachten. Auf unserem Spaziergang durch die Altstadt kommen wir mit einem Touristenpaar aus Lutetia ins Gespräch, das ebenfalls etwas hilflos wirkt und Gefühle beschreibt, die den unseren ähneln. Immerhin finden wir doch noch ein paar nette Örtlichkeiten, die für die Zukunft hoffen lassen.

Plattdrücken der Nasen an den Schaufensterscheiben des berühmten Geschäftes

Plattdrücken der Nasen an den Schaufensterscheiben des berühmten Messer-Geschäftes

 

Eines der typischen Häuser mit "angesetztem" Fachwerk

Eines der typischen Häuser mit „angesetztem“ Fachwerk

Es gibt sie schon, die Gässchen

Es gibt sie schon, die Gässchen

Ein nettes, gemütlich erscheinendes, Hoffnung weckendes Plätzchen

Ein nettes, gemütlich erscheinendes, Hoffnung weckendes Plätzchen

Jedoch, die Stadtmauer und andere mit Sicherheit in der Umgebung auf Bewunderung wartende Besonderheiten wollen wir erst gar nicht mehr sehen. Wir beschließen, sofort weiter nach Port de Bélon zu fahren und Quimper im kommenden Jahr erneut aufzusuchen, diesmal jedoch vorbereitet. Wir haben nämlich Anfang des Jahres 2016 für eine Dauer von zwei Wochen im September 2016 in der Nähe von Penmarch ein Ferienhaus gebucht. Penmarch liegt gerade mal fünfzehn Kilometer von Quimper entfernt. Auf dem Weg zum Bélon machen wir einen kleinen Umweg zum Meer, um Goya toben zu lassen.

Am Château

Nach unserer Ankunft in Port de Bélon wartet die nächste Enttäuschung auf uns: Weder Natalie Olivier noch François de Solminiac sind anwesend. Ein wichtiger Termin habe ihr Dasein verhindert. Das ist nicht zu ändern. Immerhin scheint die Sonne und wir haben Zeit. So besichtigen wir nunmehr die Örtlichkeit ausgiebig. Auf diese Weise finden wir das Gebäude, das als Motiv für den Titel des Kriminalromanes „Bretonischer Stolz“ dient.

Das Arbeitshaus des für seine Huitres Plates berühmten Château de Bélon, zugleich Titelmotiv von "Bretonischer Stolz"

Das Arbeitshaus des für seine Huitres Plates berühmten Château de Bélon, zugleich Titelmotiv von „Bretonischer Stolz“

Wir treffen auf die in dem Buch beschriebenen Arbeitssituationen, wir sehen den grün-roten Traktor, mit dessen Hilfe die gerade an Land gebrachten Austern in Plastikkörben in das Château transportiert werden. Wir sehen auch die Austernbänke – der Wasserstand ist noch ziemlich niedrig.

Mit einem Schlauchboot bringen die Austernzüchter die "reifen" Austern an Land

Mit einem Schlauchboot bringen die Austernzüchter die „reifen“ Austern an Land

Die Austern werden in Kisten verladen

Die Austern werden in Kisten verladen…

...und ins Château transportiert

…und ins Château transportiert

Die naheliegensten Austernbänke

Die naheliegensten Austernbänke

Nur wahre Austernfreunde sehen über den Modder hinweg, bemerken ihn gar nicht oder betrachten ihn ganz professionell als die besondere bélonische Nahrungsgrundlage

Nur wahre Austernfreunde sehen über den Modder hinweg, bemerken ihn gar nicht oder betrachten ihn ganz professionell als die besondere bélonische Nahrungsgrundlage

Austern in ihren Sack-Käfigen

Austern in ihren Sack-Käfigen

Nach unserer Besichtigung setzen wir uns an einen der Tische am Bélon gegenüber des Châteaus mit dem geahnten Blick auf den Zusammenfluss von Bélon und Aven, von denen der hintere Tisch Kommissar Dupin und seinen Mitarbeitern als Arbeitsplatz im Freien gedient hat.

Um den letzten Tisch hinter den beiden Gästen geht es als Büro

Um den letzten Tisch hinter den beiden Gästen geht es als Büro

Endlich verkosten wir Austern. Wir bestellen zwölf huitres creuses und dreißig huitres plates zuzüglich eines Liters Muscadet und Graubrot mit Butter. Das alles zum Preis von zweiunddreißig Euro! Die Plates sind schon etwas ganz Besonderes. Erstaunlich: Albert macht mit. Silvia kann sich nicht überwinden, diesen „Glibberkram“ auf die Zunge rutschen zu lassen, zu kauen und anschließend auch noch zu schlucken.

Neben filmender Silvia die Reste

Neben filmender Silvia die Reste

Albert genießt den Muscadet aus dem Wasserglas

Albert genießt den Muscadet aus dem Wasserglas

Nochmal ein Blick auf den Atlantik hinter dem Zusammenfluss von Bélon und Aven, dieses Mal bei 200 mm Brennweite

Nochmal ein Blick auf den Atlantik hinter dem Zusammenfluss von Bélon und Aven, dieses Mal bei 200 mm Brennweite

Auf dem Spaziergang entdecken wir eine Außenstelle des Châteaus

Auf dem Spaziergang entdecken wir eine Außenstelle des Châteaus

Albert sieht richtig zünftig aus. Bayernlook tät gut zum Gesicht passen

Albert sieht richtig zünftig aus. Bayernlook tät gut zum Gesicht passen

Im Anschluss genießen wir den Ausblick auf das Wasser, machen einen kleinen Verdauungsspaziergang am Bélon entlang in Richtung Meer, setzen uns schließlich wieder in das Auto und fahren zum Super U einkaufen. Wieder einmal staune ich über die Diskrepanz zwischen Einkaufsplanung (Würstchen für den Hund, Hüttenkäse für den Hund) und Einkaufserfolg (voller Einkaufswagen inklusive zweier Galette-Pfannen).

Auf der Rückkehr ins Ferienhaus bietet sich uns ein unglaublicher Sonnenuntergang. Daher fahren wir bis zum Hafen von Saint-Gildas-de-Rhuys durch und lassen uns von Licht in Südseestimmung versetzen.

Wie in der Südsee

Wie in der Südsee

Goya braucht dringend Auslauf. Anschließend verspeisen wir der Bouillabaisse zweiten Teil. Doppelkopf beschließt den Abend. Ach, wie gerne ich mich quälen lasse!

Neunundzwanzigster Tag, 15. Oktober 2015

Der Tag der Rückkehr in die Heimat rückt näher – noch zweimal schlafen. Es gibt in Anbetracht des Aufbruches einiges zu tun. Die neue Waschmaschine ist gefordert und schon mal ein bisschen aufräumen ist auch nicht verkehrt. Ich spüre, wie sich so etwas wie Bedauern in meinem Kopf breit macht. Die anderen sind auch nicht so extrovertiert wie sonst.

Wir berufen nach dem Frühstück eine kleine Konferenz ein und beratschlagen, was wir heute unternehmen wollen. Es soll nicht allzu weit zu fahren sein – von der unmittelbaren Umgebung haben wir ja nicht viel gesehen. Es besteht zudem Konsens, dass die von uns im Vorfeld des Urlaubes zur Besichtigung projektierten „Schatöschen“ viel zur kurz gekommen sind. Unsere Karte konsultierend stoßen wir auf die Bezeichnung „Château de Suscino“, ein Schloss, das südöstlich von Sarzeau ganz in der Nähe der Bucht von Landrézac gelegen ist, quasi am Strand. Ein großer Teilabschnitt heißt denn auch „Plage de Suscino“.

Ein Schloss mit vielen Facetten

Wir machen uns auf den Weg. Aus Sarzeau kommend, von der D198 rechts in die D198A einbiegend, eine letzte Kurve nehmend erscheint das Schloss urplötzlich vor uns.

Vor uns urplötzlich das Schloss

Vor uns urplötzlich das Schloss

Da isses

Da isses

Spiegelung im Burggraben

Spiegelung im Burggraben

Das Wasserschloss macht einen gewaltigen Eindruck, dem man baubedingt seine zeitweilige Aufgabe als Wehrschloss deutlich ansieht.

Der Eingang über eine Steinbrücke. Die Zugbrücke musste weichen

Der Eingang über eine Steinbrücke. Die Zugbrücke musste weichen

Zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes wird im Schloss selbst und im Bereich des westlichen Wehrturms aufwändig renoviert.

Umfangreiche Wiederinstandsetzungsarbeiten innen und außen

Umfangreiche Wiederinstandsetzungsarbeiten innen und außen

einige Gebäude im inneren sind deutlich zu erkennen

Die Gebäude im inneren sind deutlich zu erkennen

Daher müssen die Besucher einen finanziellen Beitrag in Form von Eintrittsgeld bezahlen, was wir völlig in Ordnung finden. Mit Hund ist das Betreten der Anlage leider nicht gestattet, weswegen ich mit Goya draußen bleibe. Albert lässt mich netter Weise nicht alleine. Wir begnügen uns mit einer Außenbesichtigung.

Ein Taubenhaus. Die Vögel dienten sowohl als Postkuriere wie auch kulinarischen Zwecken

Ein Taubenschlag. Die Vögel dienten kulinarischen Zwecken. Der Einflug ist oben im Dach. Im Gebäude gibt es viele Nisthöhlen

Der Eingang in das Taubenhaus

Der Eingang in den Taubenschlag

Wechselnde Aufgaben

Eine kurze Vita des Schlosses möchte ich nicht vorenthalten. Wahrscheinlich wurde es zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts in kleinerem Umfang als Jagdschloss erbaut. Der Ausbau zu einer befestigten Burganlage nahm in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts der Herzog Yann IV. Monfors vor, indem er Wassergräben anlegen, den Zugang zur Burg mit einer Zugbrücke versehen und diesen von großen Rundtürmen flankieren ließ. Schießscharten, später mit runden Öffnungen für Kanonen, sowie Pechnasen sollten es Angreifern unmöglich machen, in die Burg einzudringen.

Die Schießscharten wurden für Kanonen erweitert

Die Schießscharten wurden für Kanonen erweitert

Nach weiteren Ausbaumaßnahmen durch Yann V. Monfors war eine nahezu uneinnehmbare Festung entstanden, was sogar Henry Tudor, den späteren König Henry VII. von England, anlässlich der Rosenkriege (1455 bis 1485 mit ein paar Pausen) veranlasste, dort Schutz zu suchen. Im Jahr 1532 übernahm Franz I. als französischer König das Schloss, nachdem die Bretagne ihre Unabhängigkeit verloren hatte. Während der französischen Revolution wurde das Château de Suscino weitgehend zerstört.

Goya ist das alles völlig egal. Er lässt sich lieber durchkitzeln und lacht

Goya ist das alles völlig egal. Er lässt sich lieber durchkitzeln und lacht

Die Damen winken uns von der Mauer aus zu

Die Damen winken uns von der Mauer aus zu

Nachdem sich die Damen im Schloss umgesehen und uns einmal von der Mauer aus wie die Burgfräulein gewunken haben, fahren wir zum nahe gelegenen Strand, der sich lang und leer präsentiert.

Vom Strand aus gesehen das Château de Suscino in seiner ganzen Pracht mit dem Tele aufgenommen

Vom Strand aus gesehen das Château de Suscino in seiner ganzen Pracht

Vom Strand aus die Sumpflandschaft, die das Schloss umgibt

Vom Strand aus die Sumpflandschaft, die das Schloss umgibt

Wir können direkt am Strand parken - kein einziges Auto ist zu sehen

Wir können direkt am Strand parken – kein einziges Auto ist zu sehen

Scheinbar unendlich dehnt sich der Strand bis zum Horizont ohne einen Menschen...

Scheinbar unendlich dehnt sich der Strand bis zum Horizont ohne einen Menschen…

...bis auf Petra, Muscheln suchend

…bis auf Petra, Muscheln suchend

Am Strand neben dem Zugang eine Rettungsstation

Am Strand neben dem Zugang eine Rettungsstation

Wir verabschieden uns

Wir verabschieden uns

Auf der Rückfahrt kehren wir in St.-Gilds-de-Rhuys noch einmal in das Café am Markt ein, sozusagen als Abschied von dem Städtchen.

Ausruhen, Kaffee trinken und anschließend nach Hause gehen

Ausruhen, Kaffee trinken und anschließend nach Hause gehen

Zum Abendessen gibt es heute nur ein Reste-Menu. Doppelkopf beschließt unsere gemeinsamen Aktivitäten, ich sage dazu nichts weiter. Gute Nacht!

Dreißigster Tag, 16. Oktober 2015

Heute ist es so weit: Es ist unser letzter Ferientag in Saint-Gildas-de-Rhuys angebrochen. Wir stehen früher auf als sonst, und wie jeden Morgen macht sich selbst heute Albert auf den Weg, Baguette und Croissants zu besorgen. Ich ziehe mit Goya los. Er freut sich und kann es wie immer kaum erwarten.

Noch ein letzter Blick auf unser Wunschhaus

Noch ein letzter Blick auf unser Wunschhaus

Die ersten Fischer kehren zurück

Die ersten Fischer kehren zurück

Und nochmal ein Blick über den offenen Atlantik

Und nochmal ein Blick über den offenen Atlantik

Auf unserem Weg schieße ich noch ein paar Fotos von interessanten Motiven, die mir im Laufe unseres Aufenthaltes aufgefallen waren.

Wäscheklammern wie Noten

Wäscheklammern wie Noten

Hafenmauer in St.-Gildas

Hafenmauer in St.-Gildas

Einwurföffnung in den Glascontainer

Einwurföffnung in den Glascontainer

Saisonal bedingt ohne Funktion

Saisonal bedingt ohne Funktion

Plötzlich bricht die Sonne durch

Plötzlich bricht die Sonne durch

Nach dem Frühstück füllen wir die Waschmaschinentrommel mit der restlichen Wäsche, die wir am Vortag nicht geschafft haben. Albert hilft mir, den Dachgepäckträger zu befestigen.

Wesentliche Grundlagen für das sichere Führen von Autos, hier transparente Scheiben, werden geschaffen

Wesentliche Grundlagen für das sichere Führen von Autos, hier transparente Scheiben, werden geschaffen

Dasselbe gilt auch von innen

Dasselbe gilt auch von innen

Anschließend mache ich mich mit Silvia zusammen zu Fuß auf, das eine oder andere, was wir immer schon mal fotografieren wollten, auf den Chip zu bannen.

Obwohl es nur noch zwei Wochen bis zum November sind, kommen immer neue Blüten

Obwohl es nur noch zwei Wochen bis zum November sind, kommen immer neue Blüten

1275_K2_Bretagne-Reise_16-10-15_020_1200p

Wir staunen: Ein Litchi-Baum

Wir staunen: Ein Litchi-Baum

Der Baum ist voller Früchte

Der Baum ist voller Früchte

Gegen Mittag kehren wir zurück. Albert sitzt im Garten und spielt Gitarre. Beim Verstauen des Gepäcks treffe ich die Nachbarin von gegenüber, eine Dame aus Lille, die seit ein paar Tagen in ihrem Ferienhaus nach dem Rechten sieht und Reparaturarbeiten überwacht. Sie erzählt mir, wie gerne sie der Musik Alberts lausche. Die Klänge drängen wie aus dem Nirgendwo kommend in ihr Ohr.

Irgendwann am Nachmittag haben wir es geschafft und das, was wir nicht mehr unbedingt brauchen, ist in den Autos verschwunden. Am Nachmittag setzen sich Albert und Petra zusammen, um gemeinsam zu musizieren.

Musikmachen im Garten

Musikmachen im Garten

Ich versuche, mich ebenfalls ein wenig musikalisch einzubringen und muss schon sagen, das hätten wir öfter mal tun sollen. Im Übrigen ist der Nachmittag damit ausgefüllt, im Ferienhaus sauber zu machen. Es gibt ja Menschen, die auf dem Standpunkt stehen, die Endreinigung sei von ihnen bezahlt worden und dementsprechend versaut dürften sie die Unterkünfte verlassen. Wir können das nicht nachvollziehen. Wir alle würden uns schämen.

Vor dem Abendessen ziehe ich nochmals mit Goya los ans Meer. Am Abend spielen wir Doppelkopf – bei mir wird das wieder nichts. Gegen Mitternacht mache ich mit Albert zusammen den letzten Nachtspaziergang, dann geht es in die Kojen.

Einunddreißigster Tag, 17. Oktober 2015

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht – das Reisefieber hat mich wieder einmal gepackt – mache ich mich mit dem Hund auf die Socken. Frühstück gibt’s heute keines, weil wir das irgendwo in Sarzeau in einem Café erledigen wollen. Um neun Uhr erwarten wir Mme L. wegen der Übergabe der Wohnung. Die ist schnell abgewickelt. Mit Argusaugen gehen wir noch einmal durch das Haus, damit wir ja nichts vergessen. Dann fahren wir los.

In Sarzeau finden wir ein gemütliches Café, das gleichzeitig Verkaufsladen für Backwaren, Zeitungen und sonstiges Gedrucktes ist. Wir werden von zwei sehr freundlichen Damen umsorgt.

Ein gemütliches Café in Sarzeau

Ein gemütliches Café in Sarzeau

Das Frühstück wird serviert

Das Frühstück wird serviert

Hier gibt es nicht nur Backwaren

Hier gibt es nicht nur Backwaren

Jeder einzelne der Einheimischen, der hereinkommt, um sein Baguette zu kaufen, wendet sich uns mit einem freundlichen Gruß zu. Nachdem wir unsere Croissants vertilgt und den Milchkaffee ausgetrunken haben, bezahlen wir die Rechnung, verabschieden uns und brechen getrennt auf. Albert und Silvia wollen über Rouen zurückkehren, Petra und ich haben beschlossen, die Strecke über Paris zu nehmen.

Stau in Paris

Die Uhr zeigt exakt zwanzig Minuten vor zehn an, als wir in Sarzeau aufbrechen. Nach rund fünfhundert Kilometern gegen fünfzehn Uhr erreichen wir den Stadtrand von Paris. Zu viele Pariser Autofahrer auf zu wenigen Straßen bedeutet Stau. Der wird durch einen defekten LKW optimiert. Petra macht einige Fotos durch die saubere (ähem) Windschutzscheibe unseres Autos.

Abenteuerlich beladene Vehikel

Abenteuerlich beladene Vehikel

Noch im Tunnel

Noch im Tunnel

Merkwürdige Wohnarchitektur direkt an der Autobahn

Merkwürdige Wohnarchitektur direkt an der Autobahn

Wir benötigen fünfundvierzig Minuten, um die nordöstliche Seite von Paris zu erreichen. Dann verschwindet der Moloch hinter uns und wir verlassen rund vierzig Kilometer weiter angesichts eines ausgedehnten Waldgebietes die Autobahn, um eine Stelle zu finden, an der wir mit Goya einen anständigen Spaziergang machen können. Ich muss es einfach nochmals betonen: Der Hund ist unglaublich geduldig. Er hat sich das verdient. Wir auch.

Einen guten Platz für einen etwas längeren Spaziergang gefunden

Einen guten Platz für einen etwas längeren Spaziergang gefunden

Noch ein Rundgang

Wieder unterwegs in Richtung Autobahn taucht kurz vor der Mautstation eine Städtchen namens Senlis auf. Es existierte als recht bedeutsame Ortschaft bereits zur Zeit der Römer unter dem Namen Augustomagus. Mit mehreren hoch aufragenden Kirchtürmen auf engstem Raum sieht Senlis von weitem aus wie etwas, das man gesehen haben muss. Wir haben jetzt siebzehn Uhr, rechnen kurz nach, wie lange wir für die restlichen vierhundertfünfzig Kilometer brauchen könnten und entscheiden uns für einen Kurzbesuch.

Senlis und keine Menschen

Senlis und keine Menschen

Eine alte Stadt

Eine wirklich alte Stadt

Eine römische Mauer aus dem dritten Jahrhundert

Eine römische Mauer aus dem dritten Jahrhundert

Wie immer beeindruckende Lirchen, hier gleich drei auf einem Fleck

Wie immer beeindruckende Kirchen, hier gleich drei auf einem Fleck

Die ehemalige Kathedrale

Die ehemalige Kathedrale

Der Seiteneingang der Kathedrale

Der Seiteneingang der Kathedrale

Im Hauptschiff

Im Hauptschiff…

...und im Seitenschiff

…und im Seitenschiff

Mit ihren drei Kirchen im Zentrum, darunter eine ehemalige Kathedrale, entpuppt sich Senlis als eine mittelalterliche Fundgrube. Da wir jedoch auf einem der Plätze das voll beladene Auto abgestellt haben und uns ein wenig um dessen Sicherheit sorgen, beschließen wir, Senlis zu einem anderen Zeitpunkt genauer in Augenschein zu nehmen, besorgen uns in einer !deutschen! Bäckerei etwas zu essen und brechen kurz vor achtzehn Uhr wieder auf. Vier Stunden später laufen wir nach einunddreißig Tagen wieder in Bonn ein.

Das eigene Bett ist schon was wert.

Link zum ersten Teil der Reise

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 23. Februar 2016.