Maupiti – ein Paradies in der Südsee

Versteckt in Französisch Polynesien

Von Stephan Schmidt, Redaktion Klaus W. Schmidt

Sicherlich würde jeder gerne sagen können: „Ja, ich habe das Paradies gesehen.“ Dabei spielt im Zeitalter virtueller Reisen selbst in die entlegensten Winkel unserer Erde der Umstand, mit eigenen Augen gesehen zu haben, eine entscheidende Rolle. Der eigene Blickwinkel, die eigene Beobachtung, das eigene Erleben sind etwas völlig Anderes, als das Anschauen von zugegebenermaßen oft beeindruckenden Filmen oder die Erzählungen von Freunden, häufig von mehr oder weniger treffenden Fotoserien begleitet. Immerhin unterstützen derlei Berichte die Menschen in ihren Fantasien, in ihren Vorstellungen von der Südsee, die sie häufig bereits von Jugend an haben. Und das schürt ganz gehörig den Wunsch, selbst hin zu fahren.

Eine Unmenge an Inseln und Vulkanen

Eine Unmenge an Inseln und Vulkanen

Die Vorstellungen etwa des Philosophen Jean Jacques Rousseau vom harmonischen Einklang von Mensch und Natur („Der Wilde lebt in sich selbst. Der vergesellschaftete Mensch stets außerhalb seiner selbst“), vom glücklichen und friedlichen Zusammensein wären durch die Berichte über die Ankunft und freundliche Aufnahme der ersten europäischen Entdecker wie dem Franzosen Louis-Antoine Bougainville in Polynesien bestätigt worden. Diesem war es so erschienen, als lebten die eingeborenen Menschen in einem paradiesischen Urzustand, körperbetont und glücklich, frei von den Zwängen abendländischer Moral. Lässt sich eine solche oder ähnliche Lebensweise auch heute noch entdecken? Ich hatte mir die Aufgabe gestellt, jenseits der Tourismusindustrie, unter dem Eindruck mehrerer vorangegangener Besuche in der Südsee mit nicht immer positiven Erfahrungen, erneut auf die Suche zu gehen. Und ich bin fündig geworden!

Die Erwartungen

Wer sich auf die Spuren polynesischer Natürlichkeit begeben will, sollte sich frühzeitig vor Antritt der Reise einige Fragen gestellt und diese auch beantwortet haben. Eine gute Methode dafür ist, tief in sich hineinzuhorchen und dabei zu überlegen, was von einer Zeit des Aufenthaltes in Polynesien erwartet werden könnte. Wie sieht meine „Traumgeologie“ aus und was wünsche ich mir vom Umgang mit der Natur und mit den Menschen. Ich persönlich fand anfangs beim In-mich-hinein-horchen eine recht deutliche Fantasie von den Südseeinseln vor. Wachsen anfangs die Vulkane aus dem Meer heraus, so bilden sie schroff aufsteigende Kegel, wie sie beispielsweise auf den Marquesas-Inseln zu finden sind. Dieser imposante, aber fast beängstigende Initialzustand ähnelt so gar nicht meiner Fantasie. Diese zeigt mir die sanfte Lagune, vom Atoll geschützt vor gefährlichen Wellen und Raubfischen, gesäumt von Kokospalmen auf weißen Stränden, unter Wasser Korallengärten, bunten Fischen, Krebsen und Würmern eine Heimat bietend. Was ich dann auf und tatsächlich vorfand, war der nicht zu steile, von Üppigkeit und Fruchtbarkeit zeugende grüne Vulkankegel als Silhouette und Orientierung, umgeben von Lagunen, Motus und Atollen.

Enttäuschungen vermeiden

Auf meinen häufigen Reisen hatte ich mehrfach verschiedene Inselgruppen in der Südsee besucht. Immer machte ich Erfahrungen, die eben nicht meinen Erwartungen vom Paradies entsprachen. So besteht der Strand zwar aus feinem, weißem Sand, der zentrale Vulkanberg jedoch ist wegen der vielen Hochhaushotels gar nicht mehr zu sehen, wie etwa am Waikiki Beach auf der Hawaii-Insel O’ahu. Die Tourismusindustrie zerstört auf Dauer ihr eigenes Fundament, die Natur. Umweltverschmutzung, Müll, Lärm und Verkehrschaos haben beispielsweise Tahiti zu so etwas wie einem ‚lost paradise‘, einem verlorenen Paradies gemacht. Tahitis Realität steht damit in Widerspruch zu dem immer noch verheißungsvollen Namen. Selbst Rarotonga, die größte und am dichtesten besiedelte Insel der Cook Islands mit ihren so gelassenen und freundlichen Bewohnern, ist bereits stark kontaminiert von den westlich-industriellen Errungenschaften, und das auf Kosten der eigenen kulturellen Fülle.

Kokospalmen am Sandstrand und Vulkankegel auf Maupiti

Kokospalmen am Sandstrand und Vulkankegel auf Maupiti

Mir stellte sich die folgende Frage: Könnte es neben den wunderschönen, aber völlig ‚durchamerikanisierten‘ Tourismusmagneten wie Bora Bora, noch Inseln geben, auf denen die Polynesier unter weitgehender Bewahrung von eigener Kultur, Sitte und Sprache einen Weg an der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich vorbeigefunden haben? Ob sie es vielleicht sogar geschafft haben, die Ursprünglichkeit ihrer Inseln kulturell zu erhalten oder gar weiterzuentwickeln?

Nach meinen Südsee-Enttäuschungen habe ich mich nochmals ausführlich informiert und vorbereitet. Dabei waren insbesondere in der französischen Literatur wertvolle Informationen zu finden. Ich stieß auf ausführliche Berichte über die ältesten Kultstätten, Kunstwerke und (in Stein gearbeitete Darstellungen) auf Maupiti. Auch Huahine, obwohl gar nicht so weit von Tahiti entfernt, hat sich bislang als Hort des Widerstands gegen den übermäßigen Einfluss der westlichen Zivilisation, Sprachen und Kulturen behauptet. Dort ist noch eine von polynesischer Kultur geprägte Gemeinschaft zu finden. Auf beiden Inseln sucht man vergebens Resorts und Groß-Hotels als eindrucksvolle architektonische Fehlleistungen. Beide Inseln haben nur wenige Besucher. Beide Inseln sind für die Erkundung per Fahrrad bestens geeignet, weil motorisierter Verkehr selten ist.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Ich habe mich auf Temperaturen von jenseits der 35 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 90 Prozent innerlich vorbereitet. Ich habe mich fit gemacht für einen Aufenthalt von zwei Monaten ohne Klimaanlage und ohne Auto. Ich möchte die Menschen auf diesen Inseln – es sollen die schönsten und anmutigsten sein – kennenlernen. Ich will sie verstehen lernen und in der ruhigen Atmosphäre ihrer Inseln die Natur, die Gemeinschaft und den Tanz genießen. Ich will das Paradies sehen! Und ich will wissen, ob Aussicht darauf besteht, es zu erhalten.

Die Anreise

Im Aufenthaltsraum des Flughafengebäudes von Papeete: Vor zehn Tagen bin ich hier mit der Air Tahiti Nui aus Los Angeles kommend nach sechs Stunden Flug gelandet. Jetzt warte ich auf die Maschine nach Maupiti. Ich schaue auf meine Kleidung und mein sehr überschaubares Gepäck.

Überschaubare Ausrüstung

Überschaubare Ausrüstung

Zweifel kommen auf. Ich muss mir nochmals in Erinnerung rufen, dass ich mich gut vorbereitet habe. Es ist alles dabei, was man so braucht. Da sind eine Regenplane, Wäsche zum Wechseln – Shorts, T-Shirts, Unterhosen, Socken, leichte Schuhe und Flip-Flops -, die Schnorchelausrüstung (keine Flossen), Duschgel, Sonnenschutz, Aspirin und ein Antibiotikum. Für französisch Polynesien sind keine Impfungen vorgeschrieben. Es gibt lediglich eine Impfempfehlung gegen Hepatitis A. Malaria existiert nicht, eine Ansteckung mit Dengue-Fieber ist durchaus möglich. Übertragen wird diese Krankheit nicht nur von der Tigermücke. Es kommen auch andere Mücken in Frage. Viele andere Mücken sind tagaktiv, so dass im Falle des Dengue-Fiebers das Bett einhüllende Moskitonetze nur eingeschränkt nützlich sind. Immerhin wehren sie zahlreiche andere Plagegeister ab. Eine Impfung gegen Dengue-Fieber existiert (noch) nicht. Also habe ich mich mit einem Repellent bewaffnet, einem Insektenschutzmittel, das gegen alle die stechenden Fieslinge schützen soll. In Papeete habe ich zudem ein Fisch-Identifikations-Unterwasserbuch erstanden, das, wie ich meine, mir beim Schorcheln sehr nützlich sein wird. Auf einen hochwertigen Fotoapparat habe ich verzichtet, zum einen, um mich nicht zu belasten, zum anderen, weil ich nicht wusste, was mich insbesondere in Papeete erwartete. Ich hatte Gelegenheit, meine Haut hier in Papeete etwas vorzubräunen (Pension mit Pool). Weiter geht’s: Sonnenkäppi, zwei Sonnenbrillen, ein Roman, ein Schreibblock mit Stift, die Kompaktkamera, eine kräftige kleine Taschenlampe, Batterien, das ist es schon. Das Smart-Phone habe ich zuhause gelassen – wegen der Kosten, die nicht nur beim Telefonieren durch die horrenden Roaming-Gebühren entstehen, sondern auch durch die verschiedenen automatischen Downloads. Ein altes Handy mit Prepaid-Karte tut’s auch. Das kann ich je nach Bedarf ein- und abschalten. Ach so, die Zahnbürste. Und ganz wichtig: Bargeld, ausreichend Pazifische Francs (CFP). Auf Maupiti gibt es nämlich keine Banken. Euros werden gerne genommen, das Wechselgeld allerdings sind immer CFP, deren Rücktausch am Ende der Reise nur mit großen Schwierigkeiten möglich ist.

Endlich geht es los

Durch das Fenster des Flughafengebäudes ist die wartende ATR 42 Turboprop-Maschine der Air Tahiti auszumachen, eine relativ neue, für den Inselverkehr mit den meist sehr kurzen Landepisten bestens geeignete Maschine. Wir werden aufgerufen und besteigen das Flugzeug. Statt irgendwelcher Sicherheitskontrollen wird jeder einzelne Fluggast persönlich begrüßt. Jeder sucht sich einen freien Platz. Reservierungen gibt es nicht. Alle sind ganz ruhig und gelassen. Die Maschine ist fast voll. Der Flugkapitän lächelt. In dieser kleinen Maschine sind alle Plätze Fensterplätze! Und das ist gut so, denn es gibt schon beim Abflug von Tahiti viel zu sehen: Die Lagune, die Vulkanberge, das hellblaue Wasser, die langsam im Dunst verschwindende Insel…

Ankunft auf Maupiti

Zwischenlandung in Raiatea bei Regen

Zwischenlandung in bei Regen

Es ist Regenzeit und die Wolkendecke ist die meiste Zeit des Fluges geschlossen. Vor der Zwischenlandung in Raiatea regnet es so stark, dass der Pilot aus Sicherheitsgründen noch zwanzig Minuten lang über der Insel kreist. Während des Anflugs auf Maupiti reißen die Wolken auf und aus großer Höhe strahlt das Meer in intensivem Blau. Da schiebt sich die Insel ins Blickfeld: Ein

Maupiti in der grafischen Übersicht

Maupiti in der grafischen Übersicht

zentraler, tropisch bewaldeter Vulkan, flach abfallend in einen Saum aus Traumstrand übergehend, von einer türkisfarbenen Lagune umgeben, von Palmen bewachsene Atolle, die einen fast völlig geschlossenen Ring um den Vulkan bilden. Im Anflug kann ich die Struktur der Insel sehr genau erkennen.

Im Landeanflug auf Maupiti

Im Landeanflug auf Maupiti

Die Maschine verliert schnell an Höhe. Es ist die kürzeste Landebahn im Pazifik. Der Pilot steigt mit dem Aufsetzen des Fahrwerks voll in die Eisen. Beim Betreten der Gangway erfasst mich ein Gefühl der Erregung.

Der unverbaute Blick vom Flughafen aus auf den Vulkan

Der unverbaute Blick vom Flughafen aus auf den Vulkan

Welch ein wunderbarer Platz – ein von Palmblättern bedecktes winziges Flughafengebäude, Kokospalmen, der Blick über die schimmernde Lagune hinweg auf die Vulkaninsel. Wir haben späten Nachmittag. Es ist fast windstill, den Horizont bestimmt eine  graue Wolkenwand. Die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen zeigt sich bereits bei der Begrüßung am Flughafen, wo uns auf Südseeart geflochtene Kränze aus Tiaré-Blüten um den Hals gelegt werden. Was mir sofort auffällt, ist die Stille, die den Platz nach dem Ersterben des Motorenlärms umgibt. Selbst die Menschen sind trotz des Stimmengewirrs der vielen Begrüßungen leise. Ich habe keine Ahnung, wie ich in die von mir gebuchte Pension Tautiare Village de Maupiti gelangen soll. Schnell jedoch stellt sich heraus, dass jemand da ist, der mich abholt. Und ich bin sehr einfach zu identifizieren, denn unter den rund dreißig Fluggästen befinden sich außer mir nur noch zwei Europäer. Sie kommen aus der Bretagne – ein Physiker und Meeresforscher, sowie dessen Ehefrau. Sie ist ebenso im ärztlichen Beruf wie ich. Die beiden entpuppen sich als äußerst angenehme, bescheidene und kluge Menschen. Ich sollte das Ehepaar später beim Schnorcheln am Manta Point näher kennen lernen.

In einem einfachen Kahn mit Außenbordmotor werde ich zu der Familienpension mitgenommen. Was für eine Fahrt! Leise plätschernd gleitet das Boot über die flache Lagune. Das türkisfarbene Wasser ist klar. Ich kann überall bis auf den Grund sehen. Die Wassertiefe jedoch ist nicht einzuschätzen. Mantas kreuzen unseren Weg. Die langsamen Schlagbewegungen ihrer Flügel scheinen von großer Gelassenheit zu zeugen.

Ankunft mein Anleger meiner Pension bei Sonnenuntergang

Ankunft mein Anleger meiner Pension bei Sonnenuntergang

Wir fahren um den Vulkan herum zu einem der Motus – das sind die Inseln, die aus den Atollen herausragen. Das Auira ist relativ groß und eine einzige Plantage, auf welcher Wassermelonen angebaut werden. Es soll sich dabei um die größte Wassermelonenplantage der gesamten Südsee handeln. Ich erfahre, dass keinerlei ungeklärte Abwässer von der Plantage aus in das Meerwasser geleitet werden. Anschließend umrunden wir den Vulkan und gelangen, ein pittoreskes Dorf rechts liegen lassend, zum Anlegesteg der Pension. Im malerischen Sonnenuntergang verabschiede ich mich von meinem Skipper und betrete Land. Die Familienpension liegt vor mir, umrahmt von Kokospalmen. Das ist nicht nur ein schöner Anblick – und vor allem sind in Kokosmilch marinierter Fisch oder mariniertes Fleisch eine Köstlichkeit. Dennoch stellt die Kokosnuss eine der wenigen ernsthaften Gefahren dar, vor denen ich dringend warnen muss. Man stelle sich die Schlagzeile vor: „Im Paradies von Kokosnuss erschlagen“. Das wäre gar nicht paradiesisch.

Gefährliche Kokosnüsse

Gefährliche Kokosnüsse

Insbesondere in der Regenzeit und nach einem Gewitter heißt es, einen großen Bogen um die Kokospalmen zu machen. Ich mache möglichst immer Bögen, denn wer weiß, ob sich die Kokosnuss an Wahrscheinlichkeitsberechnungen hält. Zudem merke ich mir, wo die Bäume stehen und bin nie ohne meine starke Taschenlampe unterwegs. Denn beleuchtet ist die Anlage nach dem Untergang der Sonne nicht.

Weil ich an diesem Tag der einzige Gast in der Pension bin, wird mir das Privileg zugestanden, in der Küche im Privathaus der Gastfamilie zu Abend zu essen. So lerne ich die Wirtin und deren Familie näher kennen. Die Polynesierin ist eine Schönheit, außerordentlich freundlich und hat ein Baby auf dem Arm. Sie scheint älter als ihr Mann zu sein, mit dem sie in zweiter Ehe verheiratet ist. Und er war es gewesen, der mich vom Flughafen abgeholt hatte. Ich spüre, dass ich hier wirklich willkommen bin und fühle mich sehr gut aufgehoben. Die beiden versorgen mich mit allerlei Tipps und Hinweisen. Morgen, am Sonntag, werde ich mit ihnen in die Kirche gehen. Am Tag danach soll ich in den Genuss einer so genannten Guided Tour zur de Maupiti, das ist eine alte Kult- und Grabstätte, sowie zu den kunstvollen Petroglyphen, alten Steinmetzarbeiten, kommen. Ich bin voller Vorfreude auf die kommenden Tage im Inselparadies.

Steinmetzarbeit der Ureinwohner

Steinmetzarbeit der Ureinwohner

Klassischer Petroglyph im Flussbett

Klassischer Petroglyph im Flussbett

In die Gemeinde aufgenommen

Ich wache früh am Morgen auf. Die Sonne scheint in mein Zimmer. Es ist bereits sehr warm. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Es macht mir nicht viel aus, denn jetzt in der dritten Woche meines Aufenthaltes in der Südsee, habe ich mich weitgehend akklimatisiert. Mir gefällt es, ohne Klimaanlage zurecht zu kommen.

Blick auf die Lagune bei einem der typischen, zeitlich und räumlich begrenzten heftigen Regenschauern

Blick auf die Lagune bei einem der typischen, zeitlich und räumlich begrenzten heftigen Regenschauern

Ich trete vor das Haus auf eine Wiese, die sanft zum Meer hin abfällt. Es ist windstill. Das Wasser der Lagune liegt flach vor mir. In Shorts, T-Shirt und Flip-Flops begebe ich mich zum Frühstückshäuschen. Mein Frühstück ist tropisch, wie es sich gehört. Es besteht aus Kokosfleisch, Bananen, Papaya und etwas Brotfrucht. Und die Gastfamilie ist bestens gelaunt.

Beispiel für ein polynesisches Frühstück. Brotfrucht ist überall dabei.

Beispiel für ein polynesisches Frühstück. Brotfrucht ist überall dabei.

Brotfrucht

Brotfrucht

Dem Kauderwelsch aus französisch, englisch und Zeichensprache kann ich interessante Informationen über die Menschen, die Familie, die Insel und über ‚Osea‘ entnehmen, den verheerenden Zyklon, der Ende November des Jahres 1997 über Maupiti hinweggefegt war.

Eines der vielen nach dem Cyclon errichteten Häuser

Eines der vielen nach dem Cyclon errichteten Häuser

Der Wirbelsturm hatte rund 95 Prozent der gesamten Infrastruktur sowie 77 Häuser völlig zerstört. Mir wird erzählt, wie das Haus neu aufgebaut worden war, wie die Bewohner zusammengehalten und sich gegenseitig geholfen hatten. Im Übrigen solle ich keine Hemmungen haben und mit dem Fahrrad zur Kirche fahren. Ich beeile mich, um pünktlich zu sein. Vor der Kirche stehen ungefähr 200 Menschen.

Eine der vielen Kirchen auf den Gesellschaftsinseln

Eine der vielen Kirchen auf den Gesellschaftsinseln

Sie ist ein helles, offenes Gebäude aus Stein, das wie alle Häuser auf dieser Seite der Küste während des Zyklons Osea von 1997 schwer beschädigt worden war. In Gesprächen erfahre ich, wie der Kirchenchor der Frauen auf Touren durch Australien und die USA rund eine Million US-Dollar ersungen und das Geld für den schnellen Wiederaufbau gegeben hatte. Das ist eines der eindrücklichen Zeichen für das Funktionieren dieser menschlichen Gemeinschaft. Seien es Naturkatastrophen oder unglückliche Ereignisse innerhalb einer einzelnen Familie wie schwere Krankheit oder Tod von Vater oder Mutter – die Gemeinschaft kümmert sich. Sie kommt wie selbstverständlich für die hinterbliebenen Kinder auf, sie hilft wie selbstverständlich in jeder nur erdenklichen Situation. Diese Insel ist offenbar auch ein menschliches Paradies.

Als Fremder sofort aufgenommen

Kurze Zeit später ist die Kirche berstend voll. Alle Menschen sind festlich gekleidet – die Frauen in weißen Kleidern, die Männer ungeachtet der drückenden Hitze in Anzügen und ‚behütet‘. Ich bin anscheinend der einzige Fremde und fühle mich plötzlich so. Die Menschen beäugen mich neugierig – und lächeln mich freundlich an. Da sieht mich der Pfarrer, winkt  und holt mich nach vorne zu einem Platz unmittelbar vor dem Altar. Es ist ein Besucherplatz. Ein zweiter Pfarrer gesellt sich zu mir. Er übersetzt den gesamten Gottesdienst für mich aus der tahitianischen Sprache, dem Reo Mã‘ohi ins Englische!

Gebet und Gesang dauern etwa zwei Stunden. Anschließend hält der Bürgermeister, eine eindrucksvolle Erscheinung, groß, weißhaarig, schlank und sehr muskulös, eine dreißigminütige Ansprache zu Organisationsfragen mit wichtigen Hinweisen für die Bevölkerung. Von großer Bedeutung ist hierbei, dass dieser Mann während der traditionellen, rituellen Treffen bei der Marae, der Kultstätte, zugleich die spirituelle Autorität personifiziert. Wie ich auch hier in Gesprächen erfahre, ist er ein Mann, der sich viele Gedanken über die Zukunft der Insel und der Gemeinde, über ökologische Probleme und die Angriffsversuche der französischen Tourismusindustrie auf Maupiti macht.

Den Zeremonien in der Kirche folgt auf einem Platz ein gemeinsames Mahl in unmittelbarer Nähe zum Gemeindehaus, zu dem ich wie selbstverständlich eingeladen werde. Der Platz  ist teilweise überdacht, das Essen wird in einem Steinofen zubereitet. Besteck ist überflüssig. Ich bin ungeübt und muss mit meinen Fingern vorsichtig zugreifen, um sie mir nicht zu verbrennen.

Das Mahl wird von Musik und einer weiteren Ansprache mit einem Aufruf des Bürgermeisters zum Erhalt der Insel begleitet. Anschließend wird mir das Privileg eines kurzen Grußwortes zu Teil, so dass von jetzt an alle meinen Namen und meinen Beruf kennen. Zudem erhalte ich ein Gastgeschenk, einen Korb voller Blüten, geflochten aus Palmblättern. Ein schöner Tag!

Die erste Rundfahrt

Das Gastgeschenk im Fahrradkorb. Die Wasserflasche ist immer dabei.

Das Gastgeschenk im Fahrradkorb. Die Wasserflasche ist immer dabei.

Das Fahrrad soll mir in den folgenden Tagen gute Dienste leisten. Ich habe mir einen so genannten Beach-Cruiser geliehen – voluminöse Reifen, breiter  Lenker, breiter Sattel, sehr bequem, allerdings in mäßigem Allgemeinzustand. Es gibt nur eine einzige Straße, die relativ eben um die Vulkaninsel herumführt. Die Fahrt ist unvergesslich. Sie führt durch tropische Landschaft voller Früchte tragender Palmen, Bäume und Sträucher.

Auf dem Weg um die Vulkaninsel

Auf dem Weg um die Vulkaninsel

Auf Maupiti stehen nur wenige Häuser, denn hier leben mit knapp tausend Einwohnern nicht viele Menschen. Die Häuser mussten sämtlich nach den Verwüstungen des Zyklons neu aufgebaut werden und sind in sehr gutem Zustand. Mit bunten Farben gestrichen vermitteln sie Frohsinn und Lebensfreude. Die meisten stehen inmitten tropischer Gärten.

Bunt und positiv

Auf meiner ‚Tour de Maupiti‘ winken mir die Menschen zu. Als besonders schön empfinde ich, dass viele meinen Namen kennen: „Bonjour Stephan!“ Offenbar hat der Sonntagsgottesdienst dafür gesorgt. Trotz der Hitze und der Luftfeuchtigkeit fällt mir die Rundfahrt um den Vulkankegel herum leicht.

Etwa einen Kilometer von meiner Pension entfernt beginnen die Häuser sich wieder zu verdichten und ich erreiche das Hauptdorf mit dem einzigen Lebensmittelgeschäft der Insel. Als ich es betrete, werde ich auch hier freundlich begrüßt. Es gibt nur das Nötigste. Vor allem gibt es keine Schokolade, was zu einer zwangsweisen Umstellung meiner Diät in den kommenden Wochen führen wird und zu einem Gewichtsverlust von etwa zehn Kilogramm mit beiträgt.

Die zweite Rundfahrt

Obwohl das geliehene Fahrrad in denkbar schlechtem Zustand ist, benutze ich es gerne weiter. Zudem sind es nicht einmal zehn Kilometer, die ich heute zurückzulegen gedenke – Hauptsache es funktioniert einigermaßen. Guter Dinge mache ich mich auf den Weg und werde mit zwei, sozusagen gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen konfrontiert. Als ausgesprochen unangenehm erweist sich die Attacke von zwei großen, schäferhundartigen Mischlingshunden, die von einem Grundstück entwischt sind. Nur mit Mühe kann ich entkommen und beruhige mich schließlich wieder. Es herrscht wenig Verkehr. Lediglich zwei Pickups kommen mir entgegen.

Dann geht’s los. Ein Rudel Motorroller mit lauten und stinkenden Zweitaktmotoren brettert über die Straße. Bei der Beobachtung von Fahrzeugen und Fahrern kann ich zwischen beiden einen interessanten Zusammenhang erkennen, der in eine treffende Formulierung mündet: Adipositas auf Rädern.

Einer der Gott sei Dank wenigen Scooter, die über die Inselstraßen rattern

Einer der Gott sei Dank wenigen Scooter, die über die Inselstraßen rattern

Nachdem sie endlich verschwunden sind, lasse ich das Rad hinunter zu den wenigen Häusern von Tereia rollen, wo der Weg in einen flachen kilometerlangen Sandstrand mit Kokospalmen ausläuft. Nur ein einziger Mensch ist zu sehen, ein Fischer, der seine Netze im Wasser kontrolliert. Das Wasser ist glasklar.

Tereia Plage, kilometerlang und von Kokospalmen gesäumt

Tereia Plage, kilometerlang und von Kokospalmen gesäumt

Auf dem Rückweg komme ich wieder an der Kirche vorbei, jetzt ein mir vertrauter Platz. Andächtig betrete ich das diesmal leere Gotteshaus, um in der Kühle des Raumes auszuruhen. Anschließend geht die Fahrt vorbei an Gemeindehaus und Klinik – Notfälle werden in das rund neunzig Kilometer entfernte Zentralkrankenhaus in Uturoa auf der Insel Raiatea ausgeflogen.

Am Krankenhaus hier herrscht beschauliches Treiben. Offenbar wird es derzeit von nur wenigen Patienten in Anspruch genommen. Der Weg führt weiter in Richtung des Vulkanfelsens.

Der Gipfel des Vulkanberges Teurafaatui, davor das „Artisan“

Der Gipfel des Vulkanberges Teurafaatui, davor das „Artisan“

Bananenplantagen sind hier angelegt. Es geht vorbei am sogenannten Korallenhaus, dessen Mauern vollständig aus Korallen gebaut sind. Am ‚Artisan‘, einem Häuschen auf einer kleinen Halbinsel gibt es polynesische Zauberamulette zu kaufen. Diese sollen ihre Träger beschützen.

Zauberamulett, wie es den Besuchern verkauft wird

Zauberamulett, wie es den Besuchern verkauft wird

Ein Blick hinüber zu einigen Motus lässt Fischfallen erkennen, V-förmig aufgestellte und befestigte Netze, in welche die Fische durch das zwischen den Motus einströmende Wasser bei Flut getrieben werden.

Der Weg führt mich jetzt sehr nahe an den Felsen des steil aufragenden Vulkans vorbei auf eine Höhe von etwa 200 Metern. Ein Pick-Up kommt mir entgegen. Die Passagiere winken mir zu. Ich habe nach gut der Hälfte meiner Tour noch keinen einzigen Touristen getroffen. Es ist auch keine als touristische Unterkunft geeignete Behausung zu sehen.

Einmal mit Guide

Äußerst beeindruckt von der Schönheit der Natur sowie der Freundlichkeit und Anmut der Menschen bin ich von meiner Rundtour um die zentrale Insel Maupitis zurückgekehrt. Trotz der insbesondere in der französischen Literatur gefunden Hinweise auf die Geschichte und die Kultur der Polynesier ist es mir bei meinen Ausflügen noch nicht gelungen, zu den oft in Flussbetten zu findenden Petroglyphen, den Stein-skulpturen, sowie zu den alten Marae zu gelangen. Meine Wirtsfamilie ist mir dabei behilflich, indem sie den Kontakt zu Josef herstellt, mit dem ich einen ganzen Tag lang um die Insel streife. Ihm habe ich viele Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Kultstätten zu verdanken. Mir wird schnell klar, dass diese nur sehr schwer auf eigene Faust zu finden sind.

Gemeinsam fahren wir mit dem Fahrrad von meiner Familienpension aus los und biegen bereits nach fünf Minuten Fahrt zum Strand hin ab. Urplötzlich erkenne ich die Reste von alten Mauern und eine Art Felsensessel – Überbleibsel des Kultzentrums. Ich nehme auf dem Felsensessel Platz, der sich tatsächlich als recht komfortabel erweist und einen wunderbaren Blick über die Lagune und die vorgelagerten Motus bietet.

Die Fahrt durch den Hauptort wird zu so etwas wie einem positiven Spießrutenlauf. Von allen Seiten wird uns zugewunken. Mein Guide hält immer wieder an, um ein wenig zu plaudern. Er bedeutet mir, dass die Menschen meine kleine Ansprache nicht vergessen haben und ihnen mein Interesse an Insel, Leuten und Baudenkmälern gut gefällt.

Kurz nachdem wir das Dorf durchquert haben, biegen wir links in die Wildnis ab. Wir kommen in ein kleines Tal mit einem Bach, der nur wenig Wasser führt. Nach etwa zweihundert Metern stellen wir die Fahrräder ab und gehen zu Fuß weiter das Flussbett entlang. Plötzlich hält Josef an und deutet auf eine Stelle, an der ich nichts erkennen kann. Josef schiebt Laub beiseite und vor mir offenbaren sich die Petroglyphen.

Schildkröte aus Stein am Tereia Plage in einer Höhle

Schildkröte aus Stein am Tereia Plage in einer Höhle

Er erklärt mir den Symbolismus, welche Bedeutung sie haben. Noch heute pilgern Inselbewohner hierher, um Genesung zu erbitten oder ihren Kinderwunsch wirklich werden zu lassen. Wir halten inne, kehren dann zu den Fahrrädern zurück und fahren langsam weiter zum Tereia-Strand. Josef führt mich zum östlichen Ende des Strandes, wo wir in einer Höhle die Skulpturen einer Schildkröte und einer Rieseneidechse finden. Auch diesen Platz suchen die Bewohner regelmäßig auf. Alles scheint zweckgebunden zu sein, denn Josef berichtet mir, dass hier Schlichtungsversammlungen mit den Ältesten stattfinden, um Familienstreitigkeiten oder Nachbarschaftszwiste beizulegen. Zwar haben die Franzosen eine Polizei etabliert, die Gendarmen seien jedoch überflüssig, weil es auf der Insel so gut wie keine Kriminalität gebe.

Auf einem Motu

Nach zwei Wochen auf der Hauptinsel ziehe ich auf das Motu Tiapa‘a um. Mein neues Domizil wird ebenfalls von einer Familie betrieben. Ich übernachte ab sofort in einer kleinen Holzhütte mit Balkönchen direkt am Strand.

Mein neues Domizil auf dem Motu Tiapa‘a

Mein neues Domizil auf dem Motu Tiapa‘a

Ist die Hauptinsel so wie auf Maupiti noch nicht versunken – es gibt insbesondere in der Inselgruppe der Tuamotus unzählige solcher Eilande, deren zentrale Vulkane bereits wieder im Meer verschwunden sind und bei denen nur noch die Motus aus dem Wasser ragen – so lassen sich die im Kreis um den Vulkan angeordneten Atolle und Motus als wunderbare Aussichtspunkte auf die Lagune nutzen.

Mein Bett mit obligatorischem Moskitonetz

Mein Bett mit obligatorischem Moskitonetz

Sofort nach dem Aufwachen schiebe ich das Moskitonetz beiseite und schaue auf meine Hauspalme. Im Hintergrund erhebt sich die Sonne orange leuchtend aus der glatt wie ein Spiegel daliegenden türkisfarbenen Lagune. Die Hütte ist natürlich nicht klimatisiert – es herrschen früh am Morgen bereits 30 Grad Celsius.

Ich ziehe mir Badeshorts und Badeschuhe an. Die Schuhe sind hier ein Muss, denn sie schützen gegen eines der giftigsten Tiere, die es überhaupt gibt, den Steinfisch. Der Steinfisch heißt so, weil er wie ein Stein aussieht, demnach von Felsen am Grund kaum zu unterscheiden ist und reglos auf Beute lauert. Tritt ein nackter Fuß auf den Fisch, so injiziert er aus seinen Rückenflossenstacheln ein Nervengift, das zu den gefährlichsten Giften der Tierwelt zählt. Es ist in der Regel tödlich. Dabei spielt die Größe des Steinfisches keine Rolle.

Der Blick auf mein Balkönchen mit davor stehender Hauspalme

Der Blick auf mein Balkönchen mit davor stehender Hauspalme

Ich betrete meine kleine Terrasse, die unmittelbar auf den Sandstrand führt. Vor der Tür – ich lasse sie immer offen stehen – umschmeichelt mich ein angenehmer, warmer Wind. Die weiter aufsteigende rote Sonne lässt den grünen Mantel des Vulkanberges in der Lagune intensiv aufleuchten. Hier mag ich es, früh aufzustehen.

Aussicht von meiner neuen Pension (hier der Frühstückstisch) auf den zentralen Vulkan der Insel

Aussicht von meiner neuen Pension (hier der Frühstückstisch) auf den zentralen Vulkan der Insel

Der Sand ist weich und fein wie Puderzucker. Anschließend begrüße ich im Wasser der Lagune meine kleinen bunten Freunde. Die Unterwasserbrille erlaubt es mir, sie deutlich zu erkennen. Ich fühle mich wie in einem riesigen Aquarium. In dem in Papeete erworbenen Unterwasser-Fisch-identifikationsbuch sind tatsächlich die meisten der Fische benannt, die in der Lagune herumschwimmen.

Und ich schwimme nicht alleine: Ein Manta begleitet mich mit eleganten Flügelschlägen. Herzklopfen. Ganz besonders hat es mir ein kleiner blauer Fisch angetan, der immer da zu sein scheint, wenn ich komme, und der sich beständig in meiner Nähe aufhält.

Dann werde ich gerufen und mit einem „bonjour Stephan“ zu Morgenkaffee und Frühstück gebeten. Nach drei Tagen Aufenthalt in der Pension bin ich mir ganz sicher: Die Freundlichkeit und das angenehme Wesen der Pensionsinhaber und deren Mitarbeiter, Frauen und Männer, sind nicht gespielt. Sie sind einfach so. Im Übrigen bin ich nicht der einzige Gast hier. Da sind noch zwei Französinnen anfang zwanzig, beide Taucherinnen. Gemeinsam widmen wir uns dem Frühstück, das im Wesentlichen aus Früchten, viel Saft und filtriertem Wasser besteht.

Während des Frühstücks freue ich mich – mal wieder – über die Anmut der Frauen. Wie alle Menschen der polynesischen Kultur sind sie anderen Menschen stets zugewandt, sie schauen einen an. Mich überrascht immer wieder das gute Sprachverständnis. Die meisten sind dreisprachig aufgewachsen: Tahitianisch, französisch und englisch – alles perfekt. Ich unterhalte mich noch mit den beiden Französinnen über deren Vorhaben und Hoffnungen. Sie sind vor allem wegen der großen Mantarochen da, auf die sie am Mantapoint zu treffen hoffen.

Ich selbst bin kein professioneller Taucher, jedoch ein sicherer Schwimmer und ich liebe es, zu schnorcheln. Hierfür begebe ich mich regelmäßig durch einen Hain auf die andere Seite des Motus, auf die Meerseite. Der Weg in das Wasser ist hier ein steiniger. Wie gut, dass ich meine Anti-Steinfisch-Badeschuhe anhabe. Der Korallengarten, in den ich dann eintauche, präsentiert sich wunderbar bunt und fischreich. Dabei leistet mir das Unterwasser-Fischidentifikationsbuch gute Dienste. Warum wohl entwickelt der Mensch beim Anblick dieses bunten Spieles der Natur Glücksgefühle? Zurück an meinem Lagunenstrand angekommen sitze ich bei einem Glas Wasser, ein paar Scherzen meiner Gastfamilie und schreibe Notizen für dieses Büchlein.

Notizbuch, Stift, Ohrstöpsel für das Schnorcheln, eine Tiaré-Blüte und der Blick über die Lagune

Notizbuch, Stift, Ohrstöpsel für das Schnorcheln, eine Tiaré-Blüte und der Blick über die Lagune

Am nächsten Tag miete ich mir einen Kajak nebst Paddel. Diese Kajaks sind sehr schnell zu fahren und zudem relativ stabil. Allerdings sollte man körperlich einigermaßen fit sein, erfordert doch die aufrechte Haltung in diesen Booten eine kräftige Rückenmuskulatur, und auch die Arme können durchaus stark beansprucht werden, denn an manchen Stellen ist die Strömung deutlich spürbar. Wieder einmal begleiten mich Mantas, die wie im Spiel neben mir durch das kristallklare Wasser gleiten. Ich habe einen wunderbaren Ausblick auf die Vulkaninsel, die Motus und auf die Brandung der Meeresseite.

Der gemietete Kajak am Strand, im Hintergrund ist das offene Meer zu erkennen. Die tiefblaue Stelle der Lagune ist der Manta-Point, an dem sich die seltenen Riesenmantas in großer Zahl aufhalten.

Der gemietete Kajak am Strand, im Hintergrund ist das offene Meer zu erkennen. Die tiefblaue Stelle der Lagune ist der Manta-Point, an dem sich die seltenen Riesenmantas in großer Zahl aufhalten.

Den frühen Nachmittag widme ich der Hitze wegen der Beschaulichkeit. Ich liege am Strand unter einer Palme – keine Kokospalme, wir wissen ja, warum – oder sitze auf der Veranda meines Häuschens mit Blick auf die Lagune und lese. Da ist zum einen mein derzeitiges Lieblingsbuch „The Moon and Sixpence“ (Silbermond und Kupfermünze) von William Somerset Maugham. Zum anderen sorgen in Ergänzung zu meinem Aufenthalt die „Encyclopédies du Voyage“ zum Thema „Tahiti et les Îles de la Société“ aus dem Hause Gallimard für mein zunehmendes Verständnis der Geschichte und der Kultur der Gesellschaftsinseln. Es sind nicht mehr viele der Inseln so ursprünglich erhalten und von einer überzeugten Gemeinschaft so klug in die Zukunft geplant wie Maupiti. Und ich darf einer von den wenigen Besuchern sein. Ich genieße und bin glücklich.

Zum Abendessen werden uns von der Gastfamilie in Kokos marinierter Fisch und Brotfrucht serviert. Anschließend wird geredet und getratscht. Ich erfahre Geselligkeit mit Jung und Alt. Der Abend klingt aus mit Musik und Gesang. Es ist das Paradies.

Am Manta Point

Das Wasser in der Lagune von Maupiti ist trotz des geringen Austausches, der ausschließlich über einen einzigen größeren Durchgang zum Meer erfolgt, den Onoiau-Pass im Süden der Insel, sehr sauber. Bei Ebbe und Flut entsteht in diesem Pass eine äußerst heftige Strömung, die für Boote und vermutlich auch Taucher sehr gefährlich ist – mit dem Kanu darf man zu Hauptströmungszeiten noch nicht einmal in die Nähe kommen.

Von den beiden flankierenden Motus aus ist es möglich, mit dem Boot in Richtung Vulkankegel dahin zu fahren, wo die Lagune am tiefsten ist, zum Manta-Point. Seinen Namen trägt er deshalb, weil sich hier das ganze Jahr über Riesenmantas in großen Gruppen aufhalten. Die sanften Riesen sind eine echte Attraktion.

Von einem Bekannten meiner Wirtin werde ich abgeholt. Über einen Laufsteg gelangen wir zu dessen Boot, auf dem mich vier andere Maupiti-Besucher erwarten – das Physiker-Arzt-Ehepaar aus Frankreich, das ich bereits bei der Landung auf Maupiti getroffen hatte, sowie ein Paar aus Italien. Fünfzehn Minuten später sind wir an einem unbewohnten Motu an einer Stelle angekommen, wo das Wasser der Lagune dunkel, also tief ist. Wir legen unsere Schnorchel-Ausrüstungen an und springen ins Wasser. In der Tiefe können wir deutlich die Umrisse der Meeresriesen ausmachen. Ich hole Luft und tauche so tief, wie es mir möglich ist, ihnen entgegen. Ein geheimnisvoller und atemraubender Anblick bietet sich mir!

Ein weiterer Schnorchelgang

Am folgenden Morgen mache ich mich nochmals auf, die Korallen zu erkunden. Der Strand des Motus, auf welchem sich meine Pension befindet, ist weiß und breit. Schnell habe ich meine Schnorchelausrüstung angelegt und gleite ins lauwarme Wasser, brusttief, und schwimme zu kleinen Korallenbänken, die wie dunkle Tupfer aus dem Meeresgrund gewachsen aussehen. Sie sind nicht groß, im Durchmesser etwa zwei Meter und rund einen Meter hoch. Sie bieten die Bühne für den Tanz der Tropenfische. Ich kann anhand meines Unterwasser-Fischidentifationsbuches Butterfische und die kleinen blauen erkennen. Mantas kreuzen den Weg, auf welchem ich zurück nach Hause schwimme.

Der letzte Abend auf Maupiti

Langusten sind auch hier eine Besonderheit

Langusten sind auch hier eine Besonderheit

Nach meiner Rückkehr vom Schnorcheln am späten Nachmittag empfängt mich meine Gastfamilie zum Abschied mit einer kulinarischen Überraschung: Es gibt Langusten mit tropischen Früchten. Ich hatte bereits im Vorfeld geplant, nach drei Wochen Aufenthaltes auf Maupiti meine Zelte ab- und nach Huahine aufzubrechen.

Das letzte Mal im Restaurant der Familienpension

Das letzte Mal im Restaurant der Familienpension

Ein letzter Bilck in den Sonnenuntergang

Ein letzter Bilck in den Sonnenuntergang

Link zum zweiten Teil der Reise – Huahine

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 14. Februar 2016.